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9 Februar, 2015 - 10:50
 

Bedeutet Eltern sein gleichzeitig, Spielverderber sein zu müssen?

Eltern haben es nicht leicht. Sie müssen sich um viele Dinge kümmern und dem Nachwuchs natürlich in erster Linie ein gutes Vorbild sein. Gleichzeitig wollen Sie nah dran sein am Erleben und Empfinden des Kindes und nicht als Spielverderber dastehen. Aber ist dieser Wunsch überhaupt realistisch oder besteht das Elternschicksal unter anderem darin, durch Grenzziehungen und dem Vermitteln von Regeln als Spielverderber vor dem Kind zu stehen?

© klickerminth - Fotolia.com

Es gibt unterschiedliche Erziehungsstile, die auf den ersten Blick alle nur ein Ziel verfolgen: dem Kind das Beste an Erziehung zukommen zu lassen und es auf das Leben und dessen Herausforderungen vorzubereiten. Verbote und Regeln können dazu führen, als Spielverderber dazustehen und die „erwachsene Spaßbremse“ zu sein. Doch das ist nicht gezwungenermaßen so. Die Basis für eine gute Erziehung ist das Wertschätzen des Kindes, das aktive Zuhören und das Einbeziehen des Nachwuchses in Gespräche und Entscheidungen. Das klingt nicht nur gut, es ist gut, trotzdem kann man unmöglich jede Entscheidung auf demokratischer Grundlage fällen. Auch immer währende Harmonie mit dem Kind ist unrealistisch. Als Spielverderber aber muss man deswegen noch lange nicht dastehen.


Grenzen, Freiheit, Grenzen, Freiheit …

Was brauchen Kinder denn nun wirklich? Möglichst viel Freiheit oder ein Größtmaß an Grenzen? Dass die Wahrheit dazwischen liegt, erscheint logisch, dennoch steht die Frage im Raum, wie viel wovon förderlich ist und wann es schädlich wird. Eine Idee namens „Freiheit in Grenzen“ klingt schlüssig, führt jedoch nur allzu schnell in die Richtung „Grenzen ohne Freiheit“ oder gar „Freiheit ohne Grenzen“. Sehen wir einmal ein wenig hinter diese Redewendungen.


Grenzen ohne Freiheit

Wer nicht innerhalb kürzester Zeit ein Spielverderber sein, sondern darüber hinaus die Entwicklung seines Kindes behindern will, wählt den Weg der Grenzen, ohne Freiheit und das Sammeln von Erfahrung zuzulassen. Einerseits ist der autoritäre und damit auch sehr distanzierte Stil längst kein Thema mehr. Andererseits gibt es nach wie vor viele Eltern, die ihn anwenden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Das Ergebnis sind oft Kinder, die sich zu Erwachsenen entwickeln, die emotional eher kühl sind. Aber auch Revolten und Verweigerungen können die Folge sein.


Freiheit ohne Grenzen

Auch dieser Erziehungsstil scheint längst aus der Mode und ein Relikt vergangener Zeiten zu sein. Kaum jemand wird sich heutzutage noch hinstellen und behaupten, er setze seinen Kindern keine Grenzen. Schließlich ist hinlänglich bekannt, dass bestimmte Regeln und Grenzen zu einer gesunden Entwicklung gehören. Die Wirklichkeit sieht aber nicht selten ganz anders aus, auch wenn die Gründe für Erziehung ohne Grenzziehungen heute andere sind als zu vergangenen Zeiten. So ist es oft das Fehlen von Zeit für das Kind, das zu einem schlechten Gewissen führt und dazu, dass mehr zugelassen wird, als man eigentlich als richtig empfindet. Da der Nachwuchs aber so viel entbehren muss, greift der Mechanismus, diesen Zeitmangel durch großzügige Entscheidungen auszugleichen. Je länger dieser Stil betrieben wird, desto klarer läuft es darauf hinaus, dass ab einem gewissen Punkt nicht mehr die Eltern die Spielverderber sind, sondern die Kinder selbst, die nicht gelernt haben, eigenverantwortlich zu handeln oder soziale Kompetenzen zu entwickeln.


Die Stile vermischen sich

Es gibt kaum nur den einen oder anderen Erziehungsstil, in aller Regel vermischen sie sich. Allerdings sind Eltern, die das Gefühl haben, ihre Kinder zu vernachlässigen, immer in der Gefahr, die Rolle des Spielverderbers um jeden Preis vermeiden zu wollen. Sie scheuen Diskussionen oder Konflikte und überlassen dem Nachwuchs oft das letzte Wort. Im Inneren aber baut sich Druck auf, der über Resignation und Frust über kurz oder lang nach Möglichkeiten sucht, abgebaut zu werden. Aus den leisen und entscheidungsfähigen Eltern kann daher innerhalb kurzer Zeit das genaue Gegenteil werden. Ohnmacht und Ärger suchen sich einen Weg, um abgebaut zu werden und können zu aus Kindessicht völlig überraschenden Wutausbrüchen und sogar körperlichen Züchtigungen führen. Das ist nicht nur aus pädagogischer Sicht bedenklich. Es führt beim Kind zu Verwirrung und Unverständnis. Im schlimmsten Fall eskaliert die Lage bis hin zum völligen Kontrollverlust auf beiden Seiten. In diesen Momenten geht es nicht mehr um die Frage, ob und wer Spielverderber ist. Und schon gar nicht darum, wer im Recht ist. Es geht nur noch um Macht.


Die Frage des Spielverderbers stellt sich nicht

Der Ansatz an sich ist schon destruktiv. Wer sich die Frage stellt, ob er in der Erziehung der Spielverderber ist und die, wie er es vermeiden kann, befindet sich auf einem brüchigen Weg. Die Basis zum Kind muss Wertschätzung sein, gegenseitiges Vertrauen und schlussendlich das Verstehen des Kindes bezüglich getroffener Entscheidungen. Doch das ist nicht immer möglich. Die kindliche (und besonders jugendliche) Wahrnehmung ist nun einmal anders fokussiert als die eines Erwachsenen. Daher ist die Rolle des Spielverderbers manchmal nicht nur unvermeidbar, sondern eine (lästige) Pflicht. Natürlich ist es am schönsten, wenn der Nachwuchs immer versteht, warum er etwas nicht darf oder zu etwas verpflichtet wird, um sich am Familienleben zu beteiligen und sich zu einem verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln. Immer funktioniert das aber eben nicht. Die Rolle des Spielverderbers oder Buhmanns lässt sich also nicht komplett vermeiden. Bleibt auf beiden Seiten die Wertschätzung als Grundgefühl bestehen, ist das auch gar nicht schlimm. Und in aller Regel ist der Spielverderber von gestern morgen schon wieder ein „cooler Typ“.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de