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4 Februar, 2017 - 10:27
 

Der Wolf und die sieben Geißlein – ein Schlüsselerlebnis

Jedes Elternteil freut sich, wenn die Kinder die eigenen Sicherheitsanweisungen befolgen – nicht mit Fremden reden, nicht die Tür aufmachen, niemanden in die Wohnung lassen. Es gibt aber auch Situationen, in denen man als Eltern Probleme hat, wenn die Kids sich genau an die Ansagen halten. Andreas  Clevert hat eine solche Situation erfahren … 

© sababa66 - Fotolia.com

Wer dieses Märchen seinem Nachwuchs noch nie vorgelesen hat, möge die Hand nun heben. Gut. Niemand. Textsicherheit ist für das folgende Geschehnis nämlich wichtig.

Noch zentraler ist aber die Moral der Geschichte: Öffne nie jemandem die Tür, den Du nichts kennst. Am Besten: Öffne nie die Tür. Auch wenn Du einen großen Uhrenkasten zuhause hast.

Und wir sind beim Schlüsselerlebnis angekommen.

Mein Freitag besteht aus einem schnellen Tschüss auf der Arbeit und eilenden Schrittes zum Rad. Den  freitäglich früheren Schließungszeiten von OGS und Kindergarten muss Rechnung getragen werden. 1x 15:30, 2x 15:40. Radelnderweise wird mir dann klar, dass dieses „Kann ich Sie noch einmal kurz sprechen?“ aus dem Mund meines Chefes für mein weiteres Zeitkorsett an diesem Tag nicht zuträglich war. Besser gesagt meine Antwort: „ Aber klar, Chef!“ war scheiße.  Was soll ich aber schon anderes antworten? Ich überschlage schnell. Wenn ich dem Großen vor seiner Schule den Hausschlüssel gebe, schafft er es alleine nach Hause. Und ich kann dann erst zum Kleinen (Kindergarten), dann zum Mittleren (andere Schule). Das klappt alles bestens. Und ich möchte mir schon selbst auf die Schulter klopfen.


Man steht wie der Wolf vor der Haustür – und das Kind macht nicht auf

Ich nähere mich mit dem Kleinen und Mittleren der Haustür. Ohne Schlüssel. Den hat ja der Große. Der schon zuhause ist. Aber dem ich nicht gesagt habe, dass sein Vater ja dann klingeln muss. Mir schwant schon, dass ich in meiner Hektik ein entscheidendes Element übersehen habe.

Ich klingele. Und warte. Ich klingele länger. Und warte länger. Ich klingele noch länger. Und warte noch länger.

Erziehungsfalle nennt man so etwas wohl. Der Sohnemann hält sich strikt an die Anweisungen seiner Eltern. Unglaublich. Wenn es ein Paket wäre, würde ich jetzt eine Karte einwerfen. Die beiden Brüder können morgen ab 11:00 Uhr auf der Post da und da abgeholt werden. Schaler Witz. Es wird so langsam echt kalt vor der Haustür.

Dann der Geistesblitz. Eines habe ich dem Wolf voraus. Ein Smartphone. Und das kleinste Geißlein hat zwar seinen Uhrkasten. Wir aber im Haus einen Anrufbeantworter. Der wird kurzerhand zum Indoor-Lautsprecher umfunktioniert: „Hallo, HALLO, hier ist Dein Papa. DEIN PAPA. Mach bitte auf. AUF!“
Na also. Geht doch.

 


zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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