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28 September, 2015 - 21:59
 

Mit den Kindern fallen die Hemmungen – zumindest verbal

Was haben Teenager und junge Eltern gemeinsam? In beiden Gruppen wird viel über Sex gesprochen, während man selbst in den meisten Fällen eher wenig davon hat. Darüber hinaus haben junge Eltern oft auch kein Problem, in der Öffentlichkeit über höchst intime und zum Teil auch peinliche Dinge rund um die Geburt und das Kinderkriegen zu sprechen – und das mit Fremden. Unser Autor fragt sich, warum das so ist...

© anetlanda - Fotolia.com

Am vergangenen Wochenende lief eine Nachbarin und Spielplatzbekanntschaft bei uns am Fenster vorbei. Nach ein paar Minuten erzählte sie, dass sie wieder schwanger ist – und sie verriet uns auch, wie es dazu kam. Sie und ihr Mann waren bei den Eltern zu Besuch, das Bett dort quietsche sehr. Also blieb an einem der fruchtbaren Tage als Ausweg nur ein Quickie, als das eigene Kind schlief und die Großeltern kurz beim Einkaufen waren. Als wir gemeinsam darüber gelacht hatten, fragte sie uns, wie zufrieden wir mit unserer Hebamme waren und meine Frau mit ihrem Frauenarzt ist, denn sie hätte beim ersten Kind Probleme gehabt und sei mit der Betreuung  nicht zufrieden gewesen.

An dem Punkt schlug ich vor, dass sie doch einfach hereinkommen solle, damit wir weiterreden könnten. Sie lehnte aber dankend ab und so sprachen wir weiter aus mehreren Metern Abstand bei bester Akustik über höchst intime Dinge wie Blutungen, Schwierigkeiten vor der Geburt, Rückbildung, Ängste und emotionale Tränenausbrüche vor Fremden. Jeder der Nachbarn in unserem Mehrfamilienhaus hätte problemlos mithören können.


Wie kommt es, dass Eltern höchst intime Dinge in der Öffentlichkeit diskutieren?

Mir wäre das Ganze zu peinlich gewesen, um es in aller Öffentlichkeit zu diskutieren – nicht nur mit ein paar recht losen Bekannten, sondern quasi auch vor jedem, der mithören wollte. Es ist schon faszinierend, wie offen man als Eltern über das Thema „Sex trotz Baby“ bzw „ein zweites Baby machen“ und als Frau über intime Probleme rund um die Geburt spricht – und das oft mit Menschen, die man nicht besonders gut kennt. Wie kommt das?

Nach einigen Überlegungen kam ich auf folgende Gründe, warum Eltern oft wenige Hemmungen haben, über Intimes mit anderen Eltern zu sprechen:

  • Weil ein herausforderndes Sexalleben, Geburtsbeschwerden, Kinderkacke und unappetitliche Krankheiten ein natürlicher Teil des Elternwerdens und Elternseins sind.
  • Dadurch, dass andere Eltern dieselben oder zumindest ähnliche Probleme haben, erhofft man sich Verständnis und Zuspruch von anderen Mitgliedern des „Clubs“ und bekommt dies auch.
  • Schwangerschaft und das Leben mit Baby oder Kleinkind stellen emotionale Ausnahmesituationen dar. Daher öffnet man sich mehr, als man es sonst tun würde.
  • Sex – vor allem, wenn ein Baby oder ein Kleinkind in der Nähe ist – ist eben auch „normal“ und selten besonders oder gar besonders geil. Leider.

Und trotz allem wundere ich mich, mit wie wenigen Hemmungen junge Eltern über Intimes sprechen. Vor allem frage ich mich auch, an welchem Punkt man wieder zurückhaltender wird. Ich erinnere mich – wie die Wenigsten – daran, dass meine Eltern zum Beispiel so locker über Sex oder andere höchst intime Dinge gesprochen hätten. Aber ich hätte es andererseits auch nicht hören wollen….

 


Wie ist es bei Euch? Seid Ihr als Eltern auch schon in Gespräche verwickelt worden, über deren Themen Ihr Euch gewundert habt? Woran liegt das Eurer Meinung nach? Wir freuen uns über Eure Kommentare.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de