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8 Februar, 2017 - 11:42
 

Unser Kind will kein Geschwisterchen – zumindest verhält es sich so

Wenn sich das Leben mit dem ersten Kind einigermaßen eingependelt hat denken viele Eltern über ein Geschwisterchen nach. Aber was, wenn das Erstgeborene sich so verhält, als ob es unbedingt allein bleiben möchte? Unser Autor erzählt vom Verhalten seiner Tochter Lilly, das eigentlich keine alternativen Schlüsse zulässt.

© Carameli - Fotolia.com

Unsere Tochter Lilly ist nun gute 20 Monate alt und sie ist alles, was meine Frau und ich uns erträumt haben – selbstbewusst, clever, neugierig, begeisterungsfähig, freundlich zu anderen Menschen, nicht zu schüchtern, charmant und dazu auch noch wirklich süß, kurz: ein Traumkind. Kein Wunder, dass meine Frau und ich uns seit einer Weile fragen, ob ein mögliches Geschwisterchen von Lilly genau so toll wäre. Aber in uns wachsen immer mehr Zweifel, wie unsere Tochter es denn aufnehmen würde, wenn sie kein Einzelkind und damit nicht mehr der uneingeschränkte Mittelpunkt in unserem Hause wäre.


Unsere Tochter als konkurrenzloser Mittelpunkt ihrer Welt

Als unser erstes Kind, als bisher einziges Enkelkind der Großeltern und einziges kleines Kind in der näheren Nachbarschaft, bekommt Lilly von allen Seiten extrem viel Aufmerksamkeit. Begeistert winkt sie jedem bekannten Gesicht in ihrer Umgebung zu, bedenkt es mit einem fröhlichen „Hajo“-Ruf oder schenkt ihm ein strahlendes Lächeln. Als Reaktion bekommt sie viel positive Rückmeldung in Form von Lächeln, Winken und ab und zu auch Geschenken.


Wir späten Eltern tun fast alles, um unser Kind glücklich zu machen. Natürlich ist Lilly überzeugt, dass die Welt – oder zumindest ihre nähere Umgebung – sich um sie dreht. Würde ein Geschwisterchen, mit dem sie sich die Aufmerksamkeit teilen müsste, nicht ihre Welt auf den Kopf stellen, sie zumindest nicht sehr verunsichern?

Auch in der Kinderkrippe, die sie seit einem Jahr besucht, bekommt Lilly sicher mehr als ihren Anteil der Aufmerksamkeit. Als sie in die Krippe kam, war sie das jüngste Kind in der Gruppe, klein und süß. Sie hat sich rasch eingelebt, war neugierig, fand die anderen Kinder spannend, war unkompliziert und ging mit viel Freude in die Krippe. Auch viele der Erzieherinnen sind schnell ihrem Charme und ihren türkisfarbenen Augen verfallen, so dass sie immer auf den Schoß einer der Betreuerinnen darf, wenn sie es möchte.


Lilly zeigt eine dunkle Seite

Gerade zu dem Zeitpunkt jedoch, als meine Frau und ich dabei waren, den Entschluss für ein zweites Kind zu fassen, trat eine Veränderung ein. Unsere Tochter zeigte ihre dunkle Seite. Die Erzieherinnen sprachen uns darauf an, dass Lilly sich immer häufiger gegenüber anderen Kindern aggressiv verhalte. Wann das denn vorkomme, fragten wir und bekamen zur Antwort, dass es normalerweise um Spielzeug gehe, das ein anderes Kind habe und Lilly gerade möchte. Wenig diplomatisch gehe sie zu dem anderen Kind und versuche, ihm das Objekt der Begierde wegzunehmen. Oft schlage sie auch direkt zu. Dabei sei es egal, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen oder gar größer ist als sie. Bei meiner Frau und mir kamen schnell Erinnerungen an ein Treffen mit einem anderen Kind auf, das Lilly biss, als es ihm nicht das begehrte Spielzeug geben wollte. Teilen ist also ganz offensichtlich auch nicht Lillys Ding. Wie wäre das denn mit einem kleinen Geschwisterchen, das ihr Spielzeug in Beschlag nehmen würde?


Lilly weiß ein zweites Kind mit allen Mitteln zu verhindern

Bisher war das zweite Kind bei uns eine Überlegung, aber weit von einem konkreten Unterfangen entfernt. Dazu müssten meine Frau und ich unser seit Lillys Geburt fast gänzlich eingefrorenes Liebesleben mal wieder etwas in Schwung bringen. Unsere Kleine hat uns Eltern einfach so regelmäßig verausgabt, dass aufgrund von Müdigkeit und allgemeiner Erschöpfung lange nicht an Zweisamkeit, die anders aussah als ein gemeinsames Abendessen und ein Film im Fernsehen (meist nur eine Hälfte) zu denken war. Eine präventive Empfängnisverhütung könnte man meinen. Vor ein paar Wochen haben wir es dennoch einmal wieder gewagt: Lilly ist gut ins Bett gegangen und wir waren noch so wach, dass wir auf „dumme“ Gedanken kamen. Ein wenig ungelenk nahmen wir einander in den Arm und bewegten uns in Richtung Schlafzimmer. Mit den Küssen und den ersten fallenden Kleidungsstücken kam eine gewisse Vertrautheit zurück – „ja, da war doch was“ und „ja, wir können das noch“.  Schnell kamen wir zur Sache – und es fühlte sich gut an. Dann plötzlich aus der Ferne vertraute Geräusche, immer lauter werdend: Lilly war, ganz gegen ihre Gewohnheit, schon wieder aufgewacht. Wir waren nicht laut genug gewesen, dass wir sie geweckt haben konnten. War das noch Zufall? Erst versuchten wir, weiterzumachen, besonnen uns aber schnell eines Besseren. Ein quengelndes Kind im Hintergrund ist alles andere als sexy. Das nennt man dann wohl „interruptus“. Es sollte wohl nicht sein…


Ob es noch etwas wird mit dem zweiten Kind? Dazu müssen meine Frau und ich uns zunächst einmal wieder näherkommen. Das wären schöne Aussichten, wie wir beide finden. Aber was Lilly davon hält???

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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