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18 Januar, 2016 - 11:29
 

Wir haben ein Einzelkind – Was müssen wir beachten?

Einzelkinder sind besser als ihr Ruf. Sie müssen nicht zwangsläufig altklug, ichbezogen und verwöhnt sein. Diese Vorurteile sind oft völlig unberechtigt, denn gerade Einzelkinder können mit einem großen Gefühl der Sicherheit aufwachsen, was wiederum gut fürs Sozialverhalten ist.

© AVAVA - Fotolia.com

Einzelkinder bekommen die Aufmerksamkeit von Eltern, Großeltern und anderen Verwandten - und zwar ungeteilt. Das muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass sie der Meinung sind, die ganze Welt drehe sich nur um sie. Ganz im Gegenteil entwickeln gerade Kinder ohne Geschwister häufig große Kompetenzen innerhalb von Gruppen, sei es bei Streitigkeiten, sei es in der Findung von Konsensentscheidungen. Grundbedingung dafür ist, dass die Eltern ihren Prinz oder ihre Prinzessin gerade nicht als solche behandeln.


Was Einzelkinder nicht in der Familie lernen

Kinder die mit anderen Kindern, also Geschwistern, aufwachsen, entwickeln in ihrer Kindheit ganz automatisch Fähigkeiten wie Mitgefühl, Rücksichtnahme und Toleranz. Denn auch wenn sie einige Jahre die Nummer eins waren, ändert sich dieser Status drastisch, wenn ein Geschwisterkind zur Familie hinzukommt. Bei Einzelkindern ist das anders: Sie bekommen den ganzen Kuchen, müssen weder Spielzeug noch Aufmerksamkeit der Eltern teilen und auch nicht leise sein, weil das Geschwisterchen schläft oder krank ist. Die Empathie mit anderen wird nicht gelernt, Mitgefühl ist für Einzelkinder kein automatischer Teil der Kindheit.

Ebenfalls zu kurz kommen häufig Bescheidenheit und Toleranz. Einzelkinder haben mehr Gelegenheiten zu lernen, schon weil es weniger Ablenkung durch die Geschwister gibt. Die Aufmerksamkeit der Eltern liegt darauf, das einzige Kind zu fördern. Einzelkinder sind nicht schlauer als andere Kinder, sie müssen sich nur weniger ums Lernen bemühen. Dies hat mitunter zur Folge, dass sie als Angeber und Besserwisser daherkommen und vor allem nicht verstehen können, warum andere Kinder nicht ebenso schnell und schlau sind wie sie.


Gibt es das typische Einzelkind?

Diese Frage kann ganz klar mit Nein beantwortet werden. Sicher gibt es eine bestimmte Prägung in der Kindheit eines Einzelkindes, das heißt allerdings noch längst nicht, dass das ganze weitere Leben und alle Charaktereigenschaften von dieser Tatsache geprägt werden. So lässt sich im Verhalten der meisten Erwachsenen kaum noch ablesen, ob sie als Kind einmal Einzel- oder Geschwisterkind waren. Hinzu kommt, dass nicht nur der Status als Einzel- oder Geschwisterkind, sondern auch das sonstige Lebensumfeld prägend sind. Wächst ein Kind bei einem oder beiden Elternteilen auf? Sind die Eltern beruflich sehr eingespannt oder gibt es eine Mutter, die nur für das Kind da ist? Ist das Kind ein heiß ersehntes Wunschkind, dem die Welt zu Füßen gelegt werden soll? All diese Punkte beeinflussen den Charakter eines Menschen mindestens ebenso wie die Frage, ob er als Einzelkind aufgewachsen ist.


Erziehung eines Einzelkindes

Um gar nicht erst in Gefahr zu geraten, das einzige Kind zu einem rücksichtslosen Egoisten zu erziehen, gibt es hier einige Tipps, wie man mit dem Einzelkind so umgeht, dass es wichtige Fähigkeiten entwickeln kann.

  • Die Kontakte zu anderen Kindern sollten von Anfang an gefördert werden. Babys treffen andere Kinder beim Babyschwimmen oder in der PEKiP-Gruppe, später im Kindergarten oder bei der Tagesmutter. Suboptimal ist es, ein Einzelkind zum Beispiel bei der Oma oder Tante aufwachsen zu lassen, wenn dort nicht die Möglichkeit zum Spiel mit anderen Kindern geboten wird.
  • Überbehüten und verwöhnen sind die Hauptfehler, die Eltern beim Einzelkind machen können. Ebenso belastend sind übersteigerte Erwartungen an das Kind. Natürlich braucht ein Kind viel Aufmerksamkeit, es muss aber ebenso lernen, dass es manchmal warten oder zurückstehen muss.
  • Befreien Sie Ihr Einzelkind nicht von allen Pflichten, sondern binden sie es ein. Schon mit zwei Jahren können Kinder erste kleine Aufgaben übernehmen und sie tun es gern. Lassen Sie Ihr Kind Blumen gießen oder den eigenen Teller vom Essenstisch abräumen.
  • Üben Sie das Loslassen – und das gilt sowohl für Ihr Kind als auch für Sie selbst. Die Bindung zwischen Einzelkind und Eltern ist oft besonders stark, loslassen entsprechend schwierig. Lassen Sie Ihrem Kind Freiräume, in denen es gefahrlos testen kann, wie sich das Leben anfühlt, wenn die Eltern einem nicht im Nacken sitzen. Dies fällt dem Kind umso leichter, wenn es von Ihrer Seite aus keine Ängste, sondern Vertrauen spürt. Eine Möglichkeit, das Loslassen ganz spielerisch zu üben, ist übrigens das Versteck spielen.


Sie haben ein Einzelkind? Sehen Sie die Lage nicht zu verkrampft. Liebevolle Zuwendung, klare Grenzen und gegenseitiger Respekt schaffen hier den Boden dafür, dass Ihr Kind zu einem gut sozialisierten, mitfühlenden Menschen mit allen wichtigen Charaktereigenschaften heranwächst.
 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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