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13 Februar, 2016 - 23:44
 

Kinder und die Dankbarkeit

Kinder sind nicht auf der Welt, um ihren Eltern dankbar zu sein. Wer dies erwartet, wird höchstwahrscheinlich eine Enttäuschung erleben. Die Aufgaben, denen Eltern gegenüber stehen, sind anstrengend und bedeuten Verzicht – doch sie haben dieses Leben gewählt und können vom (Klein-)Kind nicht erwarten, dass es dies honoriert.

© auremar - Fotolia.com

Alle Eltern haben manchmal das Gefühl, dem Kind viel mehr zu geben als es zurückgibt. Wo bleibt die Dankbarkeit für die Sorge, die Zuwendung und die Möglichkeiten, die man dem Kind eröffnet, die Unterstützung, die man ihm bietet? Auf den ersten Blick scheint es mit der Dankbarkeit nicht weit her zu sein. Dass ein Kind nichts zurückgibt, ist allerdings ein großer Irrtum.

 

Was erwarten wir vom Kind?

Je weniger Erwartungen man an ein Kind hat, umso entspannter verlaufen Zusammenleben und Erziehung. Kinder sind individuelle Wesen, die wachsen und sich entwickeln - und das eben häufig nicht so, wie man selbst es sich wünschen würde. Zu den unerfüllten Erwartungen der Elternschaft gehört oft auch das Bedürfnis, Dankbarkeit und Anerkennung vom Kind zu bekommen, schließlich verzichtet man auf Vieles, um ihm eine glückliche und unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. 

 

Doch wie sollte sie denn aussehen, diese Dankbarkeit? 

  • Ein ausgesprochenes Dankeschön für all die Mühen, die die Kindererziehung bereitet? Das ist unmöglich, da Kinder, insbesondere wenn sie klein sind, gar nicht den Überblick darüber haben, was die Eltern alles leisten. 
  • Unauffälliges, „braves“ Verhalten, weil die Eltern ohnehin so viel Arbeit haben und man es ihnen als Kind nicht noch schwerer machen soll? Auch das ist nicht im Denken und Fühlen eines kleinen Kindes verankert und würde es außerdem in seiner freien Entwicklung deutlich bremsen.
  • Mithilfe im Haushalt aus Dankbarkeit? Da ein Kind kein Bewusstsein dafür hat, dass es dankbar sein müsste, kommt es natürlich auch nicht auf den Gedanken, dadurch seine Dankbarkeit zu zeigen. Es hilft, weil es Lust dazu hat oder weil es sieht (ab einem bestimmten Alter zumindest), dass gerade Hilfe gebraucht wird.

Kinder leben, wenn sie klein sind, im Hier und Jetzt und nach dem Lustprinzip. Dies schließt die Reflektion der Vergangenheit aus. Kinder erinnern sich nicht bewusst daran, was sie alles getan haben, ihnen fehlt das Wissen, dass es sich dabei um Anstrengung handelt. Und betrachtet man es mal aus der Sicht des Kindes: Ihre Fürsorge und Zuwendung gibt ihm das Gefühl, geliebt zu werden – und darauf hat es ein Anrecht, das ist nichts, wofür es dankbar sein muss.

 

Sind Kinder wirklich undankbar?

Auf diese Frage würden wohl die meisten Eltern mit einem klaren Ja antworten. Aber stimmt das wirklich? Was ist mit dem Bild, dass Ihnen Ihr Dreijähriger malt – er schenkt es Ihnen sicher nicht, weil er zeigen will, wie toll er schon malt, sondern weil er Lust hat, Ihnen etwas zu schenken und seine Liebe zu zeigen. Auch das ist Dankbarkeit. Kinder können undankbar sein und wie – aber sie können in ihrem eigenen Rahmen durchaus auch Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe ausdrücken und tun das Tag für Tag. Wir müssen das nur sehen und wahrnehmen. Die Zeichen der Dankbarkeit verändern sich mit dem Alter des Kindes. Und irgendwann, vielleicht beim Abi-Ball, vielleicht auch erst viel später, wird dem Kind das Danke über die Lippen kommen, wenn es von Ihnen gelernt hat, was Dankbarkeit ist und wie man sie zeigt.

 

So lernt Ihr Kind die Dankbarkeit

Kinder lernen durch Nachahmen. Sie sind das Vorbild, von Ihnen lernt es, Dankbarkeit zu fühlen und sie auszudrücken. Es reicht nicht aus, wenn Sie Ihr Kind darauf hinweisen, dass es Danke sagen muss, wenn es etwas bekommt oder ihm zu sagen, wie viel Glück es hat, dass es so einen guten und treusorgenden Vater hat. So lernt ein Mensch keine Dankbarkeit. Vielmehr sollten Sie

  • Selbst Ihre Dankbarkeit ausdrücken können. Ihrem Kind gegenüber: „Ich bin so glücklich, dass es Dich in meinem Leben gibt!“, 
  • Zeigen Sie aber auch Dankbarkeit in Bezug auf andere Dinge: „Ist das nicht toll, dass gerade heute an unserem Ausflugstag so wunderbares Wetter ist!“. 
  • Lassen Sie Ihr Kind an Ihrem Leben teilhaben. Erzählen Sie ihm von Menschen, die Ihnen wichtig sind (die eigenen Eltern oder Freunde) und wie diese Sie selbst in der Vergangenheit unterstützt haben.
  • Wenn Sie ein ehrlich dankbares Kind großziehen möchten, müssen Sie selbst diese Dankbarkeit authentisch und mit Vergnügen leben. Sieht Ihr Kind, dass es Spaß macht, dankbar zu sein, wird es dieses Verhalten schnell übernehmen.

Sie können Ihrem Kind wohl kaum „Dankbarkeit gegenüber den Eltern“ beibringen, wohl aber eine Wertschätzung und Achtung dem Leben und anderen Menschen gegenüber und eine Sichtweise, die es dazu befähigt, das Gute, dass ihm widerfährt zu sehen und dafür dankbar zu sein.

 

Wie halten Sie es mit der Dankbarkeit?

Spätestens wenn wir erwachsen sind, kommt das Thema Dankbarkeit den Eltern gegenüber wieder auf den Tisch. Wenn man sich längst abgenabelt hat und die eigenen Eltern seltener sieht, wenn die Eltern älter und vielleicht sogar pflegebedürftig werden. Wie sieht es denn mit Ihrer Dankbarkeit aus? Möchten Sie diese Ihren Eltern zeigen, dann rufen Sie doch einfach mal wieder an oder machen Sie einen Besuch, bieten Sie Ihre Hilfe an. Das stärkt nicht nur die familiäre Bindung, sondern zeigt Ihrem Kind gelebte Dankbarkeit den Eltern gegenüber.

 
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