Skip to main content

Suche

19 Oktober, 2011 - 11:46
 

Trennungsmodelle - wo bleibt das Kind?

Eine Trennung ist nie schön. Es gibt zwar die Paare, denen ein zivilisierter Umgang gelingt. Doch schön wird es dadurch trotzdem nicht. Wenn zwei Menschen sich trennen, ist das mit vielen Veränderungen verbunden. Das gilt ganz besonders, wenn Kinder im Spiel sind. Denn es stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Und wo? Und wann? Und überhaupt …

© iceteastock - Fotolia.com

„Unser Kind soll nicht darunter leiden.“

Eltern, die diese Aussage machen, haben anderen sicherlich einiges voraus. Leider ist es nun einmal oft so, dass die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes bei Trennungen ganz am Ende stehen. Im schlimmsten Fall sind die Eltern so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie regelrecht vergessen, wie es denn jetzt mit dem Nachwuchs weitergehen soll. Rosenkriege führen zu teilweise schlimmen Auswüchsen. Aber früher oder später steht die Frage im Raum, wo das Kind bleibt, welcher Elternteil besser geeignet ist für die Erziehung, für die Bewältigung des Alltags. In den meisten Fällen fällt die Wahl auf die Mutter, der Vater besucht das Kind am Wochenende. Doch es gibt natürlich auch viele Eltern, die andere Modelle bevorzugen. Und was hat das Kind davon?


Der Klassiker

Viele Paare, die sich trennen, entscheiden sich für den „Klassiker“. Der besteht aus einer 14-Tage-Regelung. Meist lebt das Kind bei der Mutter, der Vater holt es alle zwei Wochen übers Wochenende zu sich. Doch wie wohl sich das Kind dabei fühlt, hängt nicht nur davon ab, wann es bei wem ist. Es gibt Väter, die im Grunde immer wieder aufs Neue überrascht sind, wenn der Nachwuchs am Wochenende zu ihnen kommt. Die ganze Wohnung ist auf Single-Dasein eingestellt, ein eigenes Kinderzimmer gibt es nicht, weil das bedeutet hätte, eine größere und teurere Wohnung anzumieten. Es gibt Väter, die das nicht wollen. Und es gibt solche, die das nicht können, weil das Geld fehlt. Aber ohne Kinderzimmer muss es dem Nachwuchs nicht schlecht gehen.

  • Richten Sie zumindest eine Kinder-Ecke ein. Die kann im Wohnzimmer sein, aber auch im Schlafzimmer. In dieser Ecke darf kindliches Chaos herrschen, es ist „das Reich“ Ihres Kindes.
  • Sorgen Sie dafür, dass genügend Spielsachen in Ihrer Wohnung sind. Überall nur „Erwachsenensachen“ sind für Kinder sterbenslangweilig. Keine Angst – Sie dürfen sie auch wegräumen, wenn Ihr Kind nicht bei Ihnen ist.


Heute hier, morgen dort

Auch ein anderes Modell hat durchaus einen gewissen Charme. Das Wechselmodell nämlich, auch Doppelresidenzmodell genannt. Wenn das Kind eine Woche bei der Mutter und eine (oder auch zwei, je nachdem, wie sich die Paare entscheiden) beim Vater ist, hat das einen entscheidenden Vorteil: Beide bekommen auch das Alltagsleben mit. Der große Nachteil des Wochenend-Vaters ist eben genau dieses Fehlen des Alltags. Es mag schön und gut sein, wenn Sie am Wochenende nur die schönen Dinge mit Ihrem Kind tun können, während der Stress und die Sorgen der Wochentage bei der Mutter liegen. Es schafft aber auch eine gewisse Distanz. Sie bekommen nicht mit, mit welchen Freunden Ihr Kind zusammen ist. Sie wissen nur aus der Ferne, ob und was es aus der Schule zu berichten gibt. Außerdem hat Alltag ja oft auch etwas Schönes. Situationskomik, gemeinsames Einschlafen nach einem langen Tag, spontane Tätigkeiten. Diese Dinge erleben Sie als Wochenende-Vater nicht, oder aber zumindest seltener.


Zu Gast bei Kindern

Es geht auch ganz anders. Denn irgendwann stellt sich vielleicht gar nicht mehr die Frage, wo Ihr Kind wann ist. Sondern wann Sie bei Ihrem Kind sind. Wenn die eigenen Kinder eine eigene Wohnung haben, ist es auch denkbar, dass die Eltern zum Kind ziehen. Natürlich nur nacheinander. Und auch nur gastweise. Was zunächst eher exotisch klingt, ist so selten gar nicht. Und oft ist es für alle Beteiligten sogar besser, wenn es so ist. Gerade Heranwachsende streben ab einem gewissen Zeitpunkt sowieso Eigenständigkeit an. Irgendwann ist es ohnehin soweit - der Nachwuchs wird ein eigenes Zuhause haben wollen. Es spricht also im Grunde nichts dagegen, wenn dieses „Irgendwann“ schon ein bisschen früher beginnt. Wenn es so kommt, müssen Sie sich natürlich mit einer ganz anderen Ausgangssituation auseinandersetzen. Denn nun sind Sie plötzlich der Gast. Das ist ein völlig neues Gefühl, kann aber für alle Beteiligten viel Gutes bringen. Gut organisiert sein sollte es aber auch.

Noch ist diese Lösung nicht sehr weit verbreitet in Deutschland – in anderen Ländern ist sie nicht ungewöhnlich. Allerdings ist sie auch nicht ganz billig – denn immerhin müssen die Eltern eine dritte Wohnung finanzieren.


Die einzig wahre Lösung - es gibt sie nicht

Ob Sie ein Wochenend-Vater sind oder sich mit Ihrer Ex-Partnerin darauf geeinigt haben, einen Wochen-Rhythmus ins Leben zu rufen, ist keine Frage nach richtig oder falsch. Sicherlich hat die Lösung vom Wochen-Rhythmus Vorteile, die eine 14-Tages-Regel nicht hat. Doch das muss auch praktikabel sein. Wenn Ihr Kind zum größten Teil alleine wäre, während es die Woche bei Ihnen verbringt, weil Sie viel arbeiten müssen, ist das der Sache kaum dienlich. Daher gilt es immer, genau zu planen, welche Lösung die beste ist. Und falls für Sie die dritte Variante in Betracht kommt und Sie regelmäßig Ihr Kind in der Wohnung besuchen, sollten Sie an eines in jedem Fall denken: Packen Sie sich genügend Spielsachen ein!


Unsere Frage: Lebt einer von Ihnen das Modell, bei dem das Kind seine eigene Wohnung hat? Gerne würden wir uns mit Ihnen über Ihre Erfahrungen unterhalten. Melden Sie sich doch bitte bei uns über redaktion@vaterfreuden.de

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de