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6 März, 2017 - 11:12
 

Babys tragen – so geht’s am besten

Ein Kind zu tragen, war lange Zeit die einzige bekannte Möglichkeit, es zu transportieren – Schubkarren einmal abgesehen. In der Zeit der Industrialisierung wurde diese Variante durch den Kinderwagen in all seinen Formen abgelöst. Heute ist Babys zu tragen wieder hochmodern. Die Möglichkeiten sind vielfältig und nicht alle gleich praktikabel.

© oksix - Fotolia.com

Jahrhundertelang haben Eltern – in der Regel die Mütter – ihre Kinder getragen. Erst seit etwa Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es den Kinderwagen. Heute rückt wieder mehr und mehr der große Wert des Tragens für die kindliche Entwicklung in den Fokus. Mittlerweile denken sich viele Väter nichts mehr dabei, den Sprössling zu tragen, sei es im Tragetuch, in der Fertigtragehilfe oder in der Kinderkiepe.


Warum es einem Baby so gut tut, getragen zu werden

Längst sind es nicht mehr nur Alternative und „Ökos“, die ihre Kinder auf dem Rücken im Tragetuch oder einer Tragehilfe befördern. Auch unter den Normalo-Eltern hat es sich herumgesprochen, dass es für Babys und Kleinkinder gut und wichtig ist, möglichst viel getragen zu werden. Die positiven Effekte wirken sich auf der körperlichen, aber auch auf der mentalen Ebene aus:

  • Der Herzschlag der Mutter – oder auch des Vaters – und die gleichmäßigen und sanften Bewegungen beim Getragenwerden sorgen für eine ausgeglichenere Herzfrequenz beim Baby und damit für ein ausgeglicheneres Kind.
  • Besonders den Jüngsten wird der Übergang in die große, weite Welt erleichtert. Die Enge im Tragetuch, der Körperkontakt und das Gefühl des Geschütztseins, das Babys empfinden, sorgen dafür, dass sie die anfangs so neue Umgebung angstfrei wahrnehmen können.
  • Die Anhock-Spreiz-Haltung, die eine gute (!) Tragehilfe unterstützt, sorgt für eine gesunde Ausbildung der Hüftgelenke.   

Tragen ist übrigens nicht nur fürs Kind, sondern auch für die Eltern gut. Durch den Kontakt wird die Bindung gestärkt und man hat die Hände frei. Besonders bei unruhigen Kindern, die viel Kontakt und Aufmerksamkeit brauchen, wird die Bewegungsfreiheit nicht allzu sehr eingeschränkt, denn mit einem Kind auf dem Rücken sind fast alle Alltagstätigkeiten möglich – Autoschrauben vielleicht einmal ausgenommen. Hinzu kommt, dass Ihr Baby von Anfang an am Alltag teilnimmt.


Nicht alle Tragehilfen sind gleich gut

In dem Maße, in dem das Tragen von Babys beliebter geworden ist, haben Anbieter verschiedene Tragehilfen vom klassischen Tragetuch bis zur sogenannten Komforttragehilfe auf den Markt gebracht. Nicht jede dieser Tragehilfen erfüllt jedoch die hohen Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit Träger und Tragling sich wohl fühlen. Einige der auf dem Markt erhältlichen Tragehilfen werden von ausgebildeten Trageberaterinnen nicht empfohlen. In einem ausführlichen Artikel über Tragehilfen im Test haben wir über gute und schlechte Tragehilfen berichtet.


Männer mögen´s praktisch

Der Klassiker ist nach wie vor das Tragetuch, das in vielen Varianten gebunden und stufenlos angepasst werden kann. Hat man einmal die Anfangshürden überwunden, die die einzelnen Trageweisen mit sich bringen, ist das Kind im Handumdrehen sicher und stabil verpackt. Allerdings haben die Tragetücher einen Nachteil, der Frauen weniger, Männer dagegen meist mehr, stört: Es hängt jede Menge – oft bunter - Stoff um einen herum. Je nach Bindeweise und Statur braucht man ein Tuch zwischen 3,20m und 5,20m – meist weniger als einem die Hersteller empfehlen! Aus diesem Grund - und weil Männer ja ohnehin eher auf verstellbare Schnallen statt dicke Knoten stehen - sind Fertigtragehilfen oder Kiepen meist beliebter.

Allerdings lassen sich viele der sogenannten Komforttragen - das gilt leider vor allem für die, die besonders praktisch wirken und in jedem Geschäft zu finden sind -  nicht variabel genug einstellen, so dass das Baby nicht ausreichend gestützt wird und teilweise unbequem hängt oder sitzt anstatt gemütlich zu hocken. Das kann auch beim Träger zu Beschwerden führen, zum Beispiel am Rücken oder im Schulterbereich. Zum Glück gibt es aber auch hier einige wenige Modelle, die ab Geburt empfehlenswert sind – dies sind stufenlos verstellbare Tragehilfen mit einem Rückenteil aus Tragetuchstoff. Welche Merkmale eine empfehlenswerte Tragehilfe noch haben muss, zeigt diese Übersicht vom Tragenetzwerk. Für Babys ab Sitzalter gibt es eine größere Auswahl an Fertigtragehilfen – doch welche Art passt am besten? Die Antwort ist ganz individuell und vor dem Kauf sollte jede Tragehilfe ausgiebig mit eigenem Kind getestet werden.

Kiepen oder Wanderkraxen eignen sich für Kinder ab Laufalter, wenn die Eltern darauf angewiesen sind, viel Gepäck zu transportieren. Hier fehlt der Körperkontakt zum Kind und die Stützung reicht für Babys oder schlafende Kinder nicht aus.


Wenn Babys nicht getragen werden wollen

Auch das gibt es: Das Kind wehrt sich vehement gegen das Getragenwerden in einer Tragehilfe, es schreit und windet sich – gibt also ganz eindeutige Zeichen, wie unwohl es sich fühlt. Gemeint ist hier nicht das „Meckern“, das viele Babys kurz vor dem Einschlafen oder bei einer Veränderung der Situation von sich geben, sondern Dauergeschrei, wie es zum Beispiel bei einer vollen Windel als Zeichen des Unwohlseins zu hören ist.

Wenn Ihr Kind nicht in der Tragehilfe bleiben will, dann kann das verschiedene Ursachen haben. Sie sollten erst abklären, ob eine davon in Frage kommt und nicht frühzeitig aufgeben. Denn langfristig profitieren Sie und Ihr Kind davon, wenn Sie es am Körper tragen. Bei Fragen und Problemen helfen ausgebildete Trageberaterinnen weiter.  

  • Sind Sie aufgeregt oder verspannt, dann ist Ihr Kind es auch. Bedenken Sie, dass es eng an Ihrem Körper sitzt und so alles spürt, was Sie ausstrahlen. Das Binden des Tragetuchs oder das Anlegen und Festziehen einer Tragehilfe braucht Übung. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und üben Sie zu Beginn eine Woche lang mehrmals täglich. Eine Verspannung kann entweder an einer falschen Tragehaltung, z. B. durch zu lockeres Binden, einer unpassenden Tragehilfe oder an Ihrem inneren Widerwillen liegen.
  • Wenn das Baby während der Geburt besonderem Stress oder körperlicher Belastung ausgesetzt war, z. B. durch seine Lage, die Dauer, Einleitung, den Einsatz von Zange oder Saugglocke, Kristeller-Handgriff oder Kaiserschnitt, kann es sogenannte Geburtserinnerungen haben. Oft ist es dann an bestimmten Stellen sehr empfindlich, z. B. im Bereich der Halswirbelsäule oder des Beckens. Kommt durch das Tragetuch Druck an die empfindliche Stelle, hat das Baby Schmerzen. Mit ein paar Tricks kann das Tragen dennoch möglich sein. Um die Geburtserinnerung zu lösen, kann (craniosacrale) Osteopathie helfen.
  • Wenn Ihr Baby nicht nah genug an Ihrem Körper hockt, es zu wenig gestützt ist, seine Beinchen in den Spagat gedrückt werden oder sein Gewicht auf die Füßchen drückt, die sich in der Trage befinden, wird es sich unwohl fühlen. Versuchen Sie es mal mit einem gewebten Tragetuch – darin fühlen sich so gut wie alle Babys sicher und wohl.
  • Wenn Kinder erst im Alter von drei Monaten oder noch später an das Tragetuch gewöhnt werden sollen, kann Ihnen die Enge oder die Position vor dem Bauch mit wenig Aussicht missfallen. Sie können hier versuchen, ob sich Ihr Kind doch noch an die Situation gewöhnt oder eine Trageposition auf der Hüfte oder dem Rücken wählen, bei der das Kind sich Ihnen zuwenden oder den Ausblick genießen kann.
  • Einige Tragehilfen sind so konstruiert, dass das Baby von Ihnen wegschaut. Kein Wunder, wenn es dann schreit, ist es doch der Außenwelt schutzlos ausgeliefert. Diese Tragehilfen werden generell eher als ungünstig für die kindliche Entwicklung eingeschätzt, da es zu einer permanenten Reizüberflutung für die kleinen Babys kommt. Einen guten Ausblick hat das Kind auch, wenn es so hoch auf dem Rücken getragen wird, dass es über die Schultern nach vorne blicken kann.

Tragetücher und Tragehilfen sind toll, praktisch und voll im Trend. Dennoch sollten Sie ganz für sich entscheiden, ob Sie Ihr Kind damit tragen wollen oder nicht. Auch Babys, die im Kinderwagen transportiert werden, entwickeln sich prima, wenn sie sonst genug Zuwendung und Körperkontakt erhalten.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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