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12 Juni, 2016 - 12:03
 

Bannbotschaften - Was Eltern nicht sagen und Kinder nicht fühlen dürfen

„Bannbotschaften“ nennt die Psychotherapeutin Sabine Unger in Anlehnung an den amerikanischen Arzt R.L. Goulding die negativen Aussagen, die Eltern ihren Kindern ins Gehirn brennen. „Das schaffst du nicht“, „Du bist immer so ungeschickt!“ und ähnliche Sätze prägen das Selbstbild eines Kindes – denn die Eltern haben immer recht.

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Affirmationen heißen diese Botschaften, wenn sie – im positiven Sinne – zur Stabilisierung und Verbesserung des eigenen Selbstbildes eingesetzt werden. Fakt ist, Gedanken und auch solche Aussagen haben Kraft und Kinder nehmen diese Gedanken ihrer Eltern auf. Irgendwann sind es dann ihre eigenen und sie werden das, wofür die Eltern sie gehalten haben: ungeschickt, mathematisch unbegabt, unzuverlässig oder dauernd krank.


Negative Botschaften machen Kinder kraft- und antriebslos

Eltern geben ihren Kindern viele Botschaften mit auf den Weg – über die Welt und auch über sie selbst. Damit entscheiden sie früh, wie ihr Kind später als Erwachsener die Welt sieht, welches Bild er von sich hat und wie er die Menschen um sich herum einschätzt. Positive Botschaften, die dem Kind vermitteln, dass es gut ist, wie es ist, stärken es und machen es selbstbewusst; Negativbotschaften dagegen schwächen es und wandeln sich, wenn sie nur oft genug wiederholt werden, zu negativen Grundannahmen und zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.

Der kalifornische Arzt Robert L. Goulding hat dies bereits in den 1960er Jahren erkannt und eine Liste der Bannbotschaften aufgestellt, die sich am verheerendsten auf die kindliche Psyche auswirken. Dazu gehören zum Beispiel folgende:

„Sei nicht!“ ist die schlimmste aller Bannbotschaften, da sie dem Kind seine Existenzberechtigung entzieht. Diese Botschaft versteckt sich meist nicht hinter direkten elterlichen Aussagen, sondern wird mehr als Gefühl vermittelt, das Kind wird abgelehnt, fällt zur Last. Sätze wie „Immer störst du mich bei…“ oder „Nie kann ich mal in Ruhe …“ drücken diese Botschaft indirekt aus.

„Komm mir bloß nicht zu nahe“ - diese zweite Bannbotschaft bezieht sich auf Zuwendung und körperliche Nähe. Das äußert sich in direkter Ablehnung, indem das Kind weggeschoben wird oder in Sätzen wie „Jetzt hör doch endlich mal auf mit dem ewigen Geschmuse.“ Oder „ Geh doch mal spielen, ich kann das Gekuschel jetzt nicht gebrauchen.“ Das Kind lernt, dass Körperkontakt auf Ablehnung stößt.

„Nimm dich bloß nicht zu wichtig!“ Diese Botschaft wirkt sich direkt auf das Selbstwertgefühl auf. Nur wer sich selbst für wichtig hält, kann sich im Leben durchsetzen, sich gut um sich selbst und seine Angelegenheiten kümmern – privat wie beruflich. Hören Kinder oft Sätze wie „Jetzt stör nicht schon wieder!“, „Was willst DU denn jetzt schon wieder?“ oder ganz direkt: „Du hast hier gar nichts zu sagen!“ manifestieren den Gedanken im Kind, dass es nicht wichtig und nichts wert ist. Immer dann, wenn die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes nicht bemerkt oder einfach übergangen werden, wird dieser Glaubenssatz gefestigt: Wenn ein Baby Nacht für Nacht ungehört schreit, wenn die Erwachsenen grundsätzlich vor den Kindern dran sind, wenn Fragen über das Kind an die Mutter gestellt werden und wenn Kinder kein Mitspracherecht haben.

„Das schaffst du sowieso nicht!“ ist ein weiterer massiver Angriff auf das kindliche Selbstvertrauen. „Lass mich mal machen, dass kannst du sowieso nicht!“ oder „Geh weg, du machst bloß wieder alles kaputt!“ sind die Sätze, die Kinder zu den berühmten Menschen mit „zwei linken Händen“ werden lassen. Sie bekamen nie die Chance, sich zu beweisen und Fehler zu machen bzw. aus ihnen zu lernen. Mit dieser inneren Grundannahme: „Das schaffe ich sowieso nicht.“ wird auch beruflicher Erfolg fast zuverlässig vermieden. Der Erwachsene, der dies als Kind oft gehört hat, traut sich nichts zu.

 

„Immer“ tust Du dies oder das!

Das kleine und unscheinbare Wörtchen „immer“ hat eine ganz besondere Kraft. Es steckt das Kind in eine Schublade, aus der es kaum wieder herauskommen kann. Diese Formulierungen sind zum einen total übertrieben, wer macht schon immer alles falsch? Zum anderen wirken sie demotivierend auf das Kind. Wenn man so oder so immer alles falsch macht, dann braucht man sich ja gar nicht mehr bemühen, etwas besser zu machen. Die Grundüberzeugung, die die Eltern vermitteln, setzt sich irgendwann im Kind fest und führt dazu, dass das Kind später stets die Schuld bei sich sucht, wenn etwas schiefgeht.


Bannbotschaften durch Positives ersetzen!

Wir alle sind von unserer Erziehung geprägt und haben uns selbst genug dieser negativen Botschaften anhören dürfen. Also lässt es sich kaum gänzlich vermeiden, dass wir unser Kind mit Bannbotschaften konfrontieren. Aber Eltern können achtsam sein und sich wo immer es geht bemühen, ihrem Kind positive Botschaften zu vermitteln. „Du bist gut so, wie du bist!“ Das ist die Information, die Kinder für ein gesundes Selbstbewusstsein brauchen. Das heißt nun nicht, dass Kritik tabu ist. Aber wenn Sie Ihr Kind kritisieren oder zurechtweisen, sollten Sie nicht verallgemeinern. Statt zu sagen „Immer verschüttest du deine Milch!“ sagen Sie doch einfach mal „Hol bitte einen Lappen und wisch das auf!“ Ihr Kind weiß selbst, dass es einen Fehler gemacht hat und mit der zweiten Aussage geben Sie ihm eine klare Handlungsanweisung, mit der es den angerichteten Schaden wieder gutmachen kann. In anderen Situationen sollten Sie bei Kritik Ihre eigene Befindlichkeit formulieren. Statt „Nie bringst du denn Müll raus!“ sagen Sie „Es stört und ärgert mich, wenn du vergisst, den Müll herauszubringen!“.

Von dieser Aufmerksamkeit und dem Bemühen, achtsam zu formulieren, profitiert nicht nur Ihr Kind. Auch Sie selbst werden mit der Zeit eine positivere Einstellung bekommen und sich deutlich weniger über Ihr Kind ärgern. Denn die negativen Botschaften, die sie Ihrem Kind geben, setzen sich ein Stück weit auch in Ihnen fest und beeinflussen Ihre Haltung dem Kind gegenüber.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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