Skip to main content

Suche

2 Juli, 2017 - 10:49
 

Konkurrenzkampf unter Eltern – Mein Kind kann´s am besten!

Klar, für die Eltern ist das eigene Kind das beste, schönste, tollste. Mitunter entwickelt sich dadurch ein regelrechter Wettbewerb unter Eltern, vor allem, wenn es um die Entwicklung der Kleinen geht. Wer´s mit Humor nimmt, steht über der Sache, andere Eltern verbeißen sich regelrecht im Leistungsdruck.

© Kirsty Pargeter - Fotolia.com

Es gibt Bereiche – zum Beispiel im freien Markt – da sind Wettbewerbe meist gut und nützlich, zum Beispiel um die Qualität zu steigern. Geht es um Kinder, dann ist in der Regel eher das Gegenteil der Fall: Wettbewerb heißt hier vergleichen, welches Kind „besser“ ist und das legt meist den Fokus auf das, was ein Kind noch nicht kann. Seine eigenen Fähigkeiten werden damit sicher nicht gestärkt.

 

Die Wettbewerbsdisziplinen

  • Für Mütter beginnt der Konkurrenzkampf oft bereits schon in der Schwangerschaft. Welcher Bauch ist der dickste, welche Mutter ist bis zum Schluss die leistungsfähigste und schafft es auch im neunten Monat noch, den Hausberg zu besteigen? Bei der Geburt zählen Dauer (welches Kind kam am schnellsten?) oder auch das Durchhaltevermögen ohne Schmerzmittel. Es gibt unzählige Möglichkeiten, hier die Messlatte anzusetzen und viele Frauen sowie gar nicht mal so wenige Männer tun das auch. 
  • Ist das Kind auf der Welt, dann geht es weiter. Geburtsgewicht, Kopfumfang, Größe sind weitere Disziplinen, in denen Eltern sich, bzw. vielmehr ihr Kind gern messen. Ein ganz extrem bewertetes Thema ist der Schlaf. Welches Kind schläft am schnellsten, besten, längsten durch? Hier punkten ganz klar nicht die Eltern, die sich Nacht für Nacht ums schreiende Baby kümmern, sondern die mit dem „pflegeleichtesten“ Kind, das schon nach acht Wochen durchschläft und überhaupt auch tagsüber ganz und gar brav und unkompliziert ist. 
  • Werden die Kleinen älter, dann geht es weiter mit dem Spiel: Welches Kind dreht sich besonders früh, kann sitzen, aus dem Becher trinken oder geht am ehesten aufs Töpfchen. Die Superlative im Vergleich der Kinder nehmen kein Ende. 
  • In der Kindergartenzeit kommen dann in der Regel die Väter zum Zug: Auf Platz eins sind die Kinder, die am wagemutigsten klettern, sich in der Sandkiste von niemandem was gefallen lassen und natürlich schon besonders früh Fahrrad fahren können – auch das natürlich völlig angstfrei. Ab diesem Zeitpunkt kommt es dann unwiderruflich ans Tageslicht: Gewinner im Wettbewerb sind die Eltern, deren Kinder am meisten leisten. Oder zumindest fühlen sich solche Eltern so. Leistung wird natürlich belohnt und so bewegt sich der Wettbewerb auf eine neue Stufe. Ab jetzt geht es darum, welches Kind das tollste Fahrrad hat, am frühesten mit dem Flugzeug in der Karibik war oder schon im zarten Alter von vier Jahren auf Safari in Kenia.

 

Und was macht der Elternwettbewerb mit den Kindern?

Sehr kleine Kinder kriegen scheinbar kaum etwas mit vom ewigen Wettbewerbsdenken der Eltern. Sie sind einfach und entwickeln sich in ihrem ganz eigenen Tempo. Doch schon bald spüren sie die Anforderung und werden damit von Anfang an „eingenordet“ in unser Leistungssystem. Das Kind wächst sozusagen von Anfang an in das Wettbewerbs- und Leistungsdenken hinein und wird so fast garantiert ein gut funktionierendes Rädchen im System. Das wird es wahrscheinlich sowieso, denn jedes Kind ist Teil unserer Gesellschaft und deren Werte – und gerade deshalb macht es Sinn, das Kind so spät wie möglich mit Leistungsdruck und –denken zu konfrontieren. Es lebt ruhiger – genauso wie die Eltern, die sich weniger darum Gedanken machen müssen, wie toll ihr Kind ist oder nicht, sondern eher darum, wie es sich wohl fühlt und ob es Spaß hat.

 

Entspannen Sie sich und genießen Sie die Kindheit Ihres Kindes mit ihm zusammen. Lassen Sie ihm sein eigenes Tempo, das durchaus langsam sein kann. Gerade dann, wenn Ihr Kind in den ersten Lebensjahren erfährt, dass es nach seinen Bedürfnissen leben und wachsen kann, wird ihm das die Sicherheit geben, im Leben zu bestehen und seinen Platz zu finden, denn es hatte Zeit, sein eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

 
Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness