Der Frauenarzt – das unbekannte Wesen
Dies gilt zumindest für fast alle Männer – unsere Frauen sind mit ihm (oder auch ihr) meist schon seit der Teenagerzeit vertraut. Männer haben in der Regel dann das erste Mal mit dieser Arztkategorie zu tun, wenn sie Vater werden.
Sollte ein Mann seine Frau zum Frauenarzt begleiten? Und was macht so ein Arzt überhaupt mit meiner Frau? Will und muss ich das unbedingt sehen? Diese Frage tritt in unseren emanzipierten Zeiten häufiger auf und so manch ein Mann landet schließlich doch mit im Behandlungszimmer – auch dann, wenn seine Partnerin gar nicht schwanger ist.
Berufsbild Gynäkologe
Denkt man an Frauenarzt, dann in der Regel in Verbindung mit Schwangerschaft und Geburt. Diese Tätigkeitsfelder sind allerdings in einer Frauenarztpraxis eher marginal vertreten, die wahren Spezialistinnen in diesem Feld sind die Hebammen. Frauenärzte befassen sich vielmehr mit dem kompletten Spektrum der Frauenheilkunde, also mit allen Erkrankungen, die ganz spezifisch bei Frauen auftreten können. Dazu gehören Erkrankungen des Unterleibs, Brusterkrankungen wie zum Beispiel Brustkrebs, aber auch hormonelle Störungen. Darüber hinaus ist der Gynäkologe immer dann gefragt, wenn es um Geburtenkontrolle und Familienplanung geht. Er verschreibt die Pille und andere Verhütungsmittel und ist auch bei einem Schwangerschaftsabbruch kompetenter Ansprechpartner.
Die Frau auf dem gynäkologischen Stuhl
Dreh- und Angelpunkt der gynäkologischen Untersuchung ist der gynäkologische Stuhl. Tatsächlich sitzt frau bei einer Konsultation fast immer dort, da er die Untersuchung erleichtert. Viele Frauen empfinden das als ausgesprochen unangenehm, peinlich ist es den wenigsten. Sich diese Situation vorzustellen, ist die eine Sache, sie aber in live zu sehen, kann einen Mann schon ganz schön durcheinander bringen und verwirren.
Was sucht ein Mann beim Frauenarzt?
Begleiten Männer ihre Partnerin mit zum Frauenarzt, zeigt sich häufig folgendes Bild: Das Paar sitzt gemeinsam im Wartezimmer, bei der Behandlung bleibt er dort auch sitzen und wartet, bis seine Partnerin aus dem Untersuchungszimmer wieder herauskommt. Der Fall, dass ein Mann seiner Frau dorthin folgt, tritt fast immer nur dann ein, wenn sich Nachwuchs ankündigt. Wir technikbegeisterten Männer lieben es, unser Baby auf dem Ultraschall beobachten zu können – Das gibt auch uns die Gewissheit, dass da wirklich etwas wächst. Die Partnerin bei vaginalen Untersuchungen zu begleiten, ist schon eine ganz andere Sache – schwanger oder nicht. Denn es ist ein irgendwie komischer Anblick, wenn so etwas Intimes wie die Geschlechtsteile der Partnerin plötzlich bloßgelegt sind und von einer fremden Person, eventuell sogar einem Mann, begutachtet werden. Man kann sich fast sicher sein, dass in dieser Atmosphäre bei niemandem sexuelle Gefühle aufkommen – trotzdem wird etwas entmystifiziert und entweiht, das so ganz und gar als privat empfunden wird. Das muss nicht, kann aber beim Sex Probleme geben. Die Frau, die vorher so begehrenswert war, wird plötzlich in einem ganz anderen Licht gesehen. Ähnliches berichten Männer, die mit allzu viel Interesse an den Details den Geburtsvorgang beobachtet haben. Das Bild schiebt sich jedes Mal vor das innere Auge, wenn es zu Zärtlichkeiten und zum Sex kommt. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu echten und dramatischen Eifersuchtsattacken kommen.
Soll man nun seine Partnerin zum Frauenarzt zur vaginalen Untersuchung begleiten, oder lieber doch nicht? Die Entscheidung bleibt natürlich jedem selbst überlassen und der Partnerin ebenso. Denn viele Frauen spüren instinktiv, dass sie ein Stück Flair verlieren könnten, wenn ihr Partner sie auf dem gynäkologischen Stuhl betrachtet und machen den Gang zum Frauenarzt lieber alleine.



















Hellou, vielen Dank, lieber Gastvater, für die interessanten Ausführungen. Ja ich habe neue Erkenntnisse gewonnen.
Meine Lebenspartnerin hat demnächst wieder einen Termin bei einem männlichen Frauenarzt. Er ist dabei nicht nur Frauenarzt in einer anonymen Stadt, er ist ihr Nachbar (wir leben nicht im gleichen Haushalt), die Kinder gehen gemeinsam in die Schule, man trifft sich gewissermassen am Montag beim Frauenarzt und am Freitag am Elternabend in der Schule. Nach der Untersuchung werden neugierige Fragen über die Töchter, Partnerschaft, Nachbarschaft usw. gestellt und beantwortet. Er untersucht sogar seine eigenen zwei Töchter, verschreibt ihnen die Pille. Er sei so feinfühlig, so nett, so charmant... Ihr Gesicht nehmen sich Züge von Unterwürfigkeit an, wenn sie über ihren Frauenarzt spricht.
Ich verletzt das zutiefst, vor allem der Umstand, dass ich seit einem Jahr wie gegen eine Felswand spreche. Es ist nicht nur die oben beschriebene Distanzlosigkeit zwischen Frau und Arzt, sondern ich finde, eine aufgeklärte Frau entscheidet sich für eine Frauenärztin. Habe allerdings ein bisschen den Eindruck, dass die meisten Frauen sich für einen männlichen Arzt entscheiden, eben ein Arzt mit Schwanz. Ich weiss, meine Ausdrucksweise ist nicht gerade passend :-)
Naja es ist schon lange her als ich die Offiziersschule bei den Sanitätern in der Schweizer Armee besuchte. Die meisten Aspiranten sind Ärzte, auch Gynäkologen waren dabei. Die Gespräche die sie untereinander führten, haben mich damals zutiefst schockiert.
Wir mögen uns sehr, aber für mich gibts keine Zukunft mit meiner Frau, wenn sie weiterhin zu ihrem männlichen Frauenarzt geht. Ich habs ihr auch so kommuniziert, sie kennt auch meinen Schmerz. Ich hab lange versucht ein Gespräch mit ihr zu suchen, vergeblich. Was daraus wird, kann ich im Moment nicht beurteilen, meine klare Aussage führte zunächst zu einem Eclat.
Genau das ist mein Problem. Ich vertrage es absolut nicht, wenn meine Lebendpartnerin(sieht sehr gut aus)zu
einem männlichen Frauenarzt geht. Ist bei uns ein heißes Thema. Wenn es dann so weit ist, spiele ich sogar mit dem Gedanken einer Tennung. Dieses Thema geht mir ständig durch den Kopf. Im Sep. soll es dann soweit sein. Werde mir wohl psychologische Hilfe holen müssen. Recherche im Internet haben mir nichts gebracht, dort werden solche wie ich nur ausgelacht. Obiger Artikel beschreibt genau meine Gedanken und Gefühle. Brauche unbedingt Hilfe. Wer und wo kann ich Hilfe bekommen?
„Sexualität beim ( männlichen ) Frauenarzt ? „
Gerhard Amendt , emeritierter Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen in seiner Studie zum Berufsstand der Gynäkologen:“ Der Mann in Gynäkologengestalt nähert sich der Frau in einer Art und Weise, die ihm sonst nur in einer Liebes – und vertrauten Beziehung gestattet ist.“ Amendt sieht die Grenze zwischen gynäkologischer Untersuchung und sexueller Manipulation grundsätzlich fließend.
Was Frauen nicht glauben oder verdrängen und Männer schon immer befürchtet haben.
Es geht hier nicht um sexuelle Grenzverletzungen von Frauenärzten, gar im Bereich strafrechrechtlicher Verantwortung. Es geht um „ normale „ Untersuchungshandlungen von Frauenärzten an ihren Patientinnen, Abtasten der Brüste, Untersuchung der Vagina und des Rektums mit dem Finger, intimes Patientinnengespräch u.ä..
Wird dadurch ein Frauenarzt sexuell stimuliert?
Ein Mann vom Fach:
Der Frauenarzt Prof. Dr. Hans Harald Bräutigam, Jahrzehnte lang Chefarzt einer Frauenklinik, in seinem autobiografischen Buch „Beruf Frauenarzt - Erfahrungen und Erkenntnisse eines Gynäkologen, S. 37 ff :
„Natürlich sind Ärzte … sexuell lebendige Wesen. Auch zu meiner Zeit sind einige wenige Kollegen mit der Nähe zum anderen… Geschlecht nicht fertig geworden. Der Ansturm der Gefühle, der nicht zu unterdrückenden Wünsche droht sie zu überwältigen…. Gut wenn sie das begreifen, ehe es zu dem kommt, was recht unscharf Übergriffigkeit genannt wird, aber besser mit dem juristischen Begriff als Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Patienten oder gar als Vergewaltigung bezeichnet werden sollte.
Wie häufig das vorkommt - und es kommt häufig vor, damals wie heute - und ob und wie viele Frauenärzte wie oft bei den Untersuchungen Erektionen haben oder danach masturbieren, das interessierte nicht.
Und völlig frei von erotischen Anwandlungen war auch ich nicht, obschon sie nie so weit gingen, dass ich darin eine Gefahr für meinen Beruf gesehen hätte...In der Zweisamkeit des Sprechzimmers, in dem keine Zeugin mehr erforderlich war,… stellten sich weit eher Sympathien bis hin zu erotischer Attraktion ein “. ( Ärztinnen sind der heutigen Zeit geschuldet. )
Prof. Dr. Bräutigam räumt auch mit der Mär der Frauen und mancher Männer auf, „ wenn man 30 weibliche Geschlechtsteile am Tag gesehen hat, vergeht einem die Sexualität“ u.ä.. Bräutigam: „Ich weiß, mancher meint, wie der Bäcker bald keinen Kuchen mehr sehen könne, verginge dem Gynäkologen rasch der erotische Appetit. Das stimmt weder hinsichtlich aller Bäcker und - noch viel weniger - für Gynäkologen. Der Bäcker kann zudem auf andere Speisen ausweichen...“
Die „ Zeit online „ berichtet in einem Artikel „ Machen Sie sich frei „ zur 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie (DGPGG) in Bremen:“ … wollten die Teilnehmer wissen, wie sie mit ihren eigenen erotisch-sexuellen Problemen und denen ihrer Patientinnen umgehen sollen.
(Es ) … wurde vielmehr deutlich, daß Ärztinnen und Ärzte genau wie ihre Patientinnen Menschen sind. Eine Binsenweisheit, die oft verdrängt wird. Für die Hamburger Psychotherapeutin Viola Frick-Bruder haben "Ärzte sexuelle Wünsche, Phantasien und homo- und heteroerotische Abweichungen wie andere auch". Aus Unsicherheit gäben die Mediziner jedoch oftmals vor, erotische Empfindungen oder sexuelle Wünsche seien ihnen bei ihrer Berufsausübung fremd.
Das trifft nicht für alle Gynäkologen zu. In Bremen berichteten die Teilnehmer einer Selbsterfahrungsgruppe freimütig, daß ihre Berufswahl auch mit dem Vergnügen an erotischen Empfindungen in der Begegnung mit Patientinnen zu tun gehabt habe .“
Die Schweizer Journalistin Barbara Lukesch ( „ Die Gynäkologinnen kommen „ ) in einem Interview mit der Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen Ruth Dual:
Innerhalb der Gynäkologen-Szene kursiert offenbar der Witz, wonach jeder Mann, der Frauenarzt werden will, ein psychiatrisches Gutachten von sich erstellen lassen muss, um seine Unbedenklichkeit zu belegen. Wie bewerten Sie eine solche Aussage?
Dual: Der Spruch ist mit Sicherheit eine Reaktion auf die vielen Fälle von sexueller Gewalt in Gynäkologenpraxen, die eine Katastrophe für die männlichen Vertreter des Berufs darstellen. Wobei sich heute ganz abgesehen von diesen Fällen immer mehr Frauen die Frage stellen, was eigentlich die Motivation eines Mannes ist, der Frauenarzt werden will.
Spielt womöglich nicht allein das Interesse an medizinischen Fragen eine Rolle?
Dual: Dass die Lust an der Macht über Frauen bei einigen eine Rolle spielt und bei anderen auch eine gewisse sexuelle Motiviertheit, darf ja inzwischen offen ausgesprochen werden.
Noch zwei Ärzte vom Fach::
Dr. Bibiana Kalmar, Frauenärztin und Dr. Volker Korbei, Frauenarzt, stellten sich den Fragen der“ Standard at.“, Österreichs Online – Medium für Frauen
dieStandard.at: Was interessiert insbesonders so viele Männer an dem Fach?
Dr.Volker Korbei: Ich persönlich bin ja durch Zufall Frauenarzt geworden, aber ich glaube, es geht hier sehr viel um Macht über Frauen und um Sexualität. Viele Gynäkologen haben ein gestörtes Frauenbild.
dieStandard.at: Das hat dann aber doch wohl sehr viel mit Sexualität zu tun?!
Dr. Bibiana Kalmar: Natürlich! Jeder Arzt, der sagt, Gynäkologie habe nichts mit Sexualität zu tun, sagt damit in etwa: Brot hat nichts mit Ernährung zu tun.
Dr.Volker Korbei (lacht): Es gibt tatsächlich Ärzte, die das behaupten. Aber das sagt sehr viel über deren Persönlichkeitsstruktur aus.“
Neue Erkenntnisse gewonnen?
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