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21 Oktober, 2011 - 11:46
 

Schreibtischkauf für meinen Sohn - Ein Erlebnisbericht

Schreibtische für Kinder sind … ja, man muss es fast so sagen – Kinderschreibtische sind im Grund lebendige Wesen. Sie wachsen, sie atmen, sie nehmen Rücksicht und passen sich den Bedürfnissen des Kindes an. Das spürte auch unser Sohn, als wir ihm seinen ersten Schreibtisch kauften. Er ging zur Schule, musste inzwischen Hausaufgaben machen. Da ist das richtige Arbeitsgerät unabdingbar. Wir als Eltern waren hochzufrieden mit unserem Kauf. Tim allerdings hätte sich ein anderes Modell gewünscht, eines das noch mehr kann als der Schreibtisch, für den wir uns entschieden hatten. Aber wir mussten ihm klarmachen, dass es diesen Schreibtisch nicht gibt, der neben all den Vorzügen auch noch die Hausaufgaben von allein erledigt.

© Elena Stepanova - Fotolia.com

Als wir die Abteilung für Schreibtische betraten, bekam ich beinahe feuchte Augen. Da standen Modelle, die wie gemacht für mich waren. Perfekt. Ich hätte gern den ganze Tag dort verbracht, um am Abend mit meinem Schreibtisch – mit dem Schreibtisch überhaupt!- nachhause zu fahren. Aber: Wir waren nicht wegen mir hier, also begrub ich den Gedanken sofort wieder. Leicht fiel mir das aber nicht, das Kind im Manne war schuld.

 

60 Kilo Kompetenz

Die Dame, die uns beraten sollte, war zierlich, trug Brille und kurze Haare und war eine absolute Expertin in ihrem Fach. Noch Wochen später sollten meine Frau und ich in Begeisterung ausbrechen, denn die Verkäuferin lebte für ihre Schreibtische. Und sie machte schnell deutlich, dass wir keinesfalls billigen Kram kaufen sollten. Die Größe des Schreibtisches müsse sich der Größe des Kindes anpassen, sagte sie. Und das erschien uns durchaus nachvollziehbar. Falsche Sitzhaltung kann zu verheerenden Folgen für das Kind führen, erläuterte die Verkäuferin. Auch das überzeugte uns. Der falsche Schreibtisch, führte die Dame weiter aus, werde Rückenschmerzen zur Konsequenz haben. Darüber hinaus womöglich Fehlstellungen und Haltungsschäden. Inzwischen waren wir mehr als überzeugt. Wir waren sicher, dass ohne einen artgerechten Schreibtisch die Gattung Kind aussterben würde. Und unser Sohn sollte ganz sicher nicht derjenige sein, der damit beginnen würde.

 

Die Gefahren der Schreibtischwildbahn

Wir waren längst sicher, was zu tun sei. Die Verkäuferin hatte in ihrer unnachahmlichen Art nur wenige Minuten gebraucht, um uns zu den hochwertigen und teuren Schreibtischen für Kinder zu ziehen. Ich riskierte zwar noch einen kurzen Blick auf die Modelle für die Erwachsenen, allerdings war mir schnell klar, dass die bis auf weiteres kein Thema waren. Zumindest nicht für mich. Da war zwar noch so ein Hoffnungsschimmer, dass ein Schreibtisch für Tim in der mittleren Preisklasse vielleicht genügen würde. Und dass dann vielleicht auch für mich noch ein bisschen Geld übrig wäre. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Verkäuferin gemacht, die nun zu einem ganz besonderen Thema kam: Sicherheit.

Das Material eines Schreibtisches, so sagte die Verkäuferin, sei von größter Bedeutung. Schadstoffe, von denen Eltern nichts wissen, können drastische Folgen für den Nachwuchs haben. Sie sprach von Billig-Importen, die mehr Schadstoffe enthielten als Zigaretten. Sie führte aus, wie gefährlich einfaches Atmen für Kinder werden kann, die an einem Schreibtisch sitzen, der Gift ausdünstet. Ich spürte plötzlich, dass ich die Luft anhielt. Erst als meine Frau mir einen Hieb in die Rippengegend versetzte, konnte ich weiteratmen. Dann kamen die Details dran, nämlich die Verarbeitung. Ein Schreibtisch, das war der Rat der Verkäuferin, dürfe nicht die Gefahr in sich bergen, dass sich das Kind daran klemme. Sie hätte von Fällen gehört, die blutig endeten und traumatische Folgen gehabt hätten. Unverantwortlich finde sie das, sagte die Verkäuferin, und wir konnten ihr natürlich nur zustimmen.

 

Drum teste, wer sich ewig bindet

Letztlich sei ihre persönliche Meinung völlig unbedeutend. Als die Verkäuferin das sagte, warf sie mich doch noch ein wenig aus der Bahn. Schließlich hatte ihre persönliche Meinung dazu geführt, dass wir den Laden wieder verlassen würden mit dem Wissen, dass es unserem Sohn wirklich gutgehen würde. Und mit dem Wissen, dass wir deutlich mehr Geld ausgegeben haben würden, als das eigentlich geplant war. Und nun sollte plötzlich diese Meinung, ihre Meinung, nicht mehr bedeutend sein? Sie könnte uns doch sonst was erzählen, machte die Verkäuferin uns deutlich. Da hatte sie natürlich auch wieder Recht. Trotzdem wollten wir das nicht glauben. Sie hatte so gute Argumente, und die klangen so einleuchtend, so naheliegend und überzeugend. Nein, nein, sagte die Verkäuferin, beim Schreibtischkauf sollte man sich auch auf unabhängige Urteile verlassen. Urteile von Außenstehenden, die niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig seien. Die Stiftung Warentest könne sie empfehlen, auch den TÜV und noch eine ganze Reihe anderer Prüfinstitute, die sie uns nannte. Dann kamen die ausgewählten Schreibtische. Sie führte uns etliche Modelle vor, sprach Vor- oder Nachteile an und setzte Tim mit einer großen Selbstverständlichkeit an immer wieder neue Schreibtische. Der ließ das -zu unserer Überraschung- kommentarlos und ohne Meckern über sich ergehen. Scheinbar hatte sie sogar unseren Sohn überzeugt. Wer das schafft, hat ganz besondere Fähigkeiten. Wir kauften übrigens nicht den teuersten Schreibtisch, sondern entschieden uns für ein Modell, dass knapp 15 Euro unter dem Höchstpreis lag. Wir gaben viel Geld aus damals, wirklich viel Geld. Aber der Schreibtisch steht noch immer in Tims Zimmer. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann können wir sagen, dass er praktisch an der gesamten Schullaufbahn unseres Sohnes teilgenommen hat. Ohne Schadstoffe, ohne eingeklemmte Finger. Und mit der Fähigkeit zu wachsen. Immer weiter.

Ich werde mir demnächst auch einen neuen Schreibtisch gönnen. Wenn die Kinder aus dem Haus sind.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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