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11 Februar, 2016 - 11:42
 

Kritik von den eigenen Kindern - wenn Papa nicht mehr der Beste ist

Für Babys und Kleinkinder sind Mama und Papa die Welt. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn unsere Kinder die Worte von unseren Lippen saugen und alles, was wir Eltern sagen als göttliches Gesetz verstanden wird. Leider endet diese Zeit nur allzu schnell – plötzlich stehen wir Eltern unter scharfer Kritik.

© SergiyN - Fotolia.com

Solange Kinder sehr klein sind und sich größtenteils in der Familie aufhalten, richten sie sich ausschließlich nach dem, was Eltern und nahe Verwandte ihnen vorleben. Es käme einem Einjährigen nicht in den Sinn, Mama oder Papa in Frage zu stellen – wie auch, das Kind kennt ja kaum etwas anderes und hat deshalb keine Vergleichsmöglichkeiten. Dies ändert sich allerdings spätestens dann, wenn das Kind sprechen lernt und im Kindergarten oder bei der Tagesmutter Kontakt mit anderen Werten und Lebenseinstellungen bekommt.


Die Entwicklung des kindlichen Gehirns – vom Kleinen zum Großen

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, hat es ein unglaublich leistungsfähiges Gehirn, das allerdings noch ein fast gänzlich unbeschriebenes Blatt ist. Durch die vielen Eindrücke und Erlebnisse, die ein Baby täglich aufnimmt, wird dieses Blatt nach und nach mit Inhalt gefüllt. Das Gehirn arbeitet dabei hoch effizient: Eindrücke, die noch nicht verarbeitet werden können, werden herausgefiltert oder für die spätere Verwendung eingelagert. Damit das Babygehirn nicht überlastet wird, konzentriert sich ein Kind in seinen ersten Monaten auf das Naheliegende, nämlich die Eltern und die unmittelbare Umgebung. Gesichert wird dies dadurch, dass sich Seh- und Hörfähigkeit erst nach und nach vollständig entwickeln. Je älter das Kind wird, umso mehr Informationen hat es aufgenommen, schließlich kommt der Punkt, an dem es allmählich beginnt, noch mehr als seine Eltern wahrzunehmen. Es ist im Leben angekommen und wird zusehends neugierig darauf, was es denn da draußen sonst noch gibt. Mit dieser Neugier wächst auch die Fähigkeit zu vergleichen – und dabei kommen die Eltern manchmal gar nicht gut weg.


Die erste Kritik

Kinder sind aufmerksame Beobachter und haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Die erste Kritik beginnt oft schon, sobald ein Kind sprechen kann: Wenn Papa in der Nase bohrt, obwohl Mama dies dem Kind schon tausendmal verboten hat, dann kommt die Reaktion prompt: „Papa nicht Nase bohren!“ – das ist ein Hinweis, dass es Regeln einzuhalten gibt, und eine erste Kritik am väterlichen Verhalten. Und unser Kind hat Recht. Wenn wir eigene Regeln aufstellen, müssen wir uns auch selbst daran halten. „Gleiches Recht für alle!“ diesen Grundsatz verstehen Kinder bereits ziemlich früh.

Sind diese ersten kritischen Worte noch recht harmlos, spitzt sich die Situation bis ins Grundschulalter stetig zu. Viele Kinder entwickeln einen geradezu nervigen Gerechtigkeitssinn. Jede kleinste Unregelmäßigkeit ist gleich völlig ungerecht. Hier ist es angebracht, durch Erklärungen und Argumentationen Abhilfe zu schaffen. Vor allem dann, wenn sich ein Kind ständig ungerecht behandelt fühlt, sollten die Eltern Erziehungsstil und Entscheidungen noch einmal gründlich überdenken.


Dauer-Diskussionen und patzige Antworten

Je älter ein Kind wird, umso versierter kann es mit Sprache und Tonfall umgehen. Aus der gelegentlichen Kritik werden Dauer-Diskussionen, die teilweise unglaublich haarspalterisch rüberkommen. Da wird jedes väterliche Wort auf die Goldwaage gelegt, jede Formulierung in ihre Einzelteile zerpflückt. Hinzu kommen patzige Antworten bei jeder Gelegenheit als besonders perfide Form der Kinder, ihre Missbilligung auszudrücken. Je mehr sich das Kind der Pubertät und dem Status „jugendlich“ nähert, umso mehr wird Kritik an den Eltern, ihrer Einstellung und Lebensweise zum Dauerzustand.

Uns Eltern sollte folgendes trösten: Die Diskussionen und auch die Kritik sind der Versuch, sich von uns abzugrenzen und den eigenen Weg zu gehen. So schwer es auch fallen mag, nehmen Sie die Kritik Ihres Kindes nicht allzu persönlich. Es wäre zwar übertrieben zu sagen, dass es das nicht so meint, dennoch geht es letztendlich nicht um sie, sondern um Ihr Kind.


Und wie mit der Kritik umgehen?

Die Frage, wie man mit der Kritik eines Kindes umgeht, ist einfach zu beantworten. Wie verhalten Sie sich, wenn ein Erwachsener Sie kritisiert? Sie denken darüber nach, ob die Einwände an Ihrem Verhalten berechtigt sind, reden mit dem Kritiker und entscheiden dann ganz für sich, ob Sie die Kritik annehmen oder eben nicht. Genauso machen Sie es auch bei Ihrem Kind. Denn auf die Einhaltung von Regeln zu bestehen ist in Ordnung, sie stur durchsetzen zu wollen, obwohl es gute Argumente gibt, dagegen nicht.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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