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14 Dezember, 2016 - 11:44
 

Ab wann dürfen Kinder mitentscheiden?

Schon sehr früh entwickeln sich Kinder zu Persönlichkeiten mit einer eigenen Meinung, eigenen Bedürfnissen und Ansichten. Als Mitglied der Familie sollten auch sie ein Mitspracherecht erhalten, allerdings immer im Rahmen ihrer geistigen Entwicklung und ihrer Kompetenzen. Kinder, die zu früh zu viel selbst entscheiden dürfen, werden dadurch schnell überfordert.

© matka_Wariatka - Fotolia.com

Ab wann kann ein Kind Entscheidungen treffen?

Sobald Babys greifen können, werden ihre Entscheidungen sichtbar. Sie entscheiden sich für dieses oder jenes Spielzeug, wählen Apfel oder Birne, Brötchen oder Keks. Schon hier können Sie darüber nachdenken, welchen Spielraum sie ihrem Kind lassen wollen. Darf es selbst entscheiden, was es essen möchte oder lassen Sie ihm durch ein eingeschränktes Angebot keine oder nur eine begrenzte Wahl? Wenn die Kinder größer werden, sind sie im Rahmen ihrer geistigen Entwicklung in der Lage, auch „größere“ Entscheidungen zu treffen: Kinder ab zwei können ihre Gute-Nach-Geschichte auswählen, Kinder ab drei entscheiden selbst, was sie im Kindergarten anziehen wollen. Im Grundschulalter entscheiden die Kinder sich für eigene Hobbys und Freizeitbeschäftigungen oder Sportarten. Grundsätzlich entwickelt sich die Entscheidungsfähigkeit also mit dem Alter des Kindes und in diesem Maße können und sollten Sie auch den Spielraum vergrößern.


Welche Entscheidungen in welchem Alter?

Je älter ein Kind, umso weitreichendere Entscheidungen kann es treffen. Auch hier ist Ihr Gespür gefragt. Was kann mein Kind beurteilen? Welche Entscheidungen kann es bereits überblicken? Dies hängt von der inneren Reife des Kindes ab und lässt sich kaum pauschal beantworten. Allerdings gibt es einige Richtwerte:


Kinder bis vier Jahre können zum Beispiel selbst entscheiden
-    was sie essen wollen (nach Vorauswahl durch die Eltern)
-    was sie anziehen wollen (nach Vorauswahl durch die Eltern).

In diesem Alter sollten Kinder möglichst noch keine ausschließenden Entscheidungen treffen müssen.


Kinder bis sechs Jahre können unter anderem darüber entscheiden
-    ob Sie mit Mama zum Einkaufen oder lieber bei Papa im Garten bleiben wollen
-    was sie sich zum Geburtstag wünschen.

Ab jetzt können Kinder auch einmal kleinere Fehlentscheidungen mit unangenehmen Konsequenzen gut verkraften, ohne dass die Entscheidungsfreude leidet.


Kinder bis 10 Jahre können zum Beispiel darüber entscheiden
-    wohin und mit wem sie in den Urlaub fahren wollen,
-    in welcher Farbe sie ihr Kinderzimmer gestrichen haben wollen.

Kinder können schon etwas mehr in die Zukunft denken. Sie haben bestimmte Erfahrungswerte, die ihnen helfen, Situationen richtig zu beurteilen.


Kinder ab 10 erhalten nun immer größere Entscheidungskompetenzen – natürlich immer alters- und entwicklungsgerecht. Ab einem Alter von 12 Jahren haben sie auch rein rechtlich ein Mitspracherecht, zum Beispiel bei der Wahl des Wohnorts, für den Fall, dass die Eltern sich scheiden lassen.


Entscheidungen treffen heißt Verantwortung übernehmen

Wer seinem Kind in angemessener Weise eigene Entscheidungen zugesteht, der fördert damit eine sehr wichtige Eigenschaft: Das Verantwortungsbewusstsein. Kinder, die sich für etwas entscheiden, lernen früh, dass jede Entscheidung auch Konsequenzen hat und, dass sie selbst verantwortlich dafür sind. Natürlich sollen und müssen Sie Ihr Kind vor unvernünftigen Entscheidungen mit schädlichen Folgen bewahren. Gleichzeitig können Sie jedoch im erträglichen Rahmen auch Fehlentscheidungen des Kindes zulassen. Der Lerneffekt in diesem Fall ist enorm.


Entscheidungshilfen durch die Eltern

Sich zu entscheiden will gelernt sein. Kinder müssen dies, wie alles andere auch, üben. Das geht umso schneller, je stressfreier die ersten Entscheidungen des Kleinkindes ablaufen. Dafür ist es besonders wichtig, das Kind nicht zu zwingen zwischen zwei Alternativen zu wählen, die einander ausschließen. Solche Entscheidungen sind für das Kind schwierig bzw. unmöglich, da es nicht den Erfahrungshorizont hat, um zwei Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen: Willst Du im Urlaub ans Meer oder in die Berge? Schon für Erwachsene ist diese Frage oft schwer zu beantworten, für Kinder ist es unmöglich. Sie waren vielleicht noch nie oder höchstens einmal am Meer oder in den Bergen, wie sollen sie wissen, was ihnen besser gefällt? Über das Abwägen und Rätseln werden sie am Ende so oder so unglücklich sein. Einfacher ist es, erste Entscheidungen etwa so zu gestalten: Möchtest Du zuerst die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz und dann das Pixie-Buch oder umgekehrt? Auch das kann schwer sein, aber das Kind weiß, dass es nichts zu verlieren hat. Es genießt die Auswahlmöglichkeiten und die eigene Freiheit, die es dabei spürt. Mit dieser Vorgehensweise wächst ein Kind nach und nach in eine Entscheidungskompetenz hinein und die Eltern können die Entscheidungsfreiheiten immer mehr ausweiten.


Vorsicht vor komplexen Entscheidungen

Bevor Kinder Möglichkeiten gegeneinander abwägen und komplexe Entscheidungen treffen können, müssen sie viel üben und vor allem auch ein bestimmtes Alter erreicht haben. Die Berücksichtigung von Konsequenzen, die aus einem bestimmten Handeln entstehen, erlernen Kinder frühestens im Grundschulalter und auch dann dürfen die Entscheidungen noch nicht so kompliziert sein, dass das Kind dadurch überfordert wird. Eltern, die ihrem Kind viel Entscheidungsfreiheit lassen, müssen sehr aufmerksam darauf achten, wann das Kind überfordert ist. Die Anzeichen sind meist überdeutlich: Das Kind wird nervös und zappelig, fängt vielleicht an zu meckern oder wird wütend, Ratlosigkeit macht sich breit und ist dem Kind auch deutlich am Gesicht abzulesen. In solch einem Fall sollten Eltern zurückrudern und kindertaugliche Varianten anbieten oder die anstehende Frage erst einmal vertagen.

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de