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Null Bock auf gar nichts – Wenn Teenager die Leistung verweigern

Rund 80% aller Kinder und Jugendlicher stehen die Schulzeit mehr oder weniger tapfer durch. Die übrigen 20% setzen sich gegen den Druck und die dort geltenden Regeln zu Wehr und verweigern – mehr oder weniger offensiv - die Leistung, die in der Schule von Ihnen gefordert wird.


Wann zählt ein Teenager als Leistungsverweigerer?

Jugendliche Schüler, die von ihrer Intelligenz her durchaus in der Lage sind, den schulischen Anforderungen zu genügen, dies aber aus verschiedenen Gründen ablehnen, werden als Leistungsverweigerer bezeichnet. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von problematischen Elternhäusern bis hin zur nicht erkannten Hochbegabung. Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Schüler so überfordern, dass der Widerstand gegen die schulischen Anforderungen das letzte Mittel zu sein scheint.


Gründe für die Leistungsverweigerung von Teenagern

Dass Kinder und Jugendliche manchmal keine Lust auf Schule haben, ist normal. Sie erleben Hochs und Tiefs in ihrer Entwicklung, können einen bestimmten Lehrer oder ein bestimmtes Thema nicht leiden oder sind gesundheitlich angeschlagen. Bedenklich wird die Situation, wenn aus der Schulunlust echte Leistungsverweigerung wird, die mit Schule schwänzen und ständig sinkenden Leistungen einhergeht. An erster Stelle steht hier die Ursachenforschung: Warum verweigert mein Kind die geforderten schulischen Leistungen?

  • Partielle Schwächen, zum Beispiel Legasthenie oder eine Rechenschwäche können durch die Häufung von Niederlagen zur Schulunlust führen. Wird nun übermäßiger Druck und eine hohe Erwartungshaltung durch Lehrer oder Eltern aufgebaut, kann die Unlust schließlich in einer Leistungsverweigerung enden.
  • Die falsche Schule. Wenn ein Kind durch die gewählte Schulform überfordert ist und die Leistungen nur mit großer Mühe und dann auch noch unzureichend erbringt, kann die Leistungsverweigerung ein deutliches Signal und eine Art Befreiungsschlag sein, um dieser Situation zu entrinnen.
  • Schwierige Familienphasen wie Scheidungen, Todesfälle oder schwere Krankheiten eines Elternteils können den Teenager so belasten, dass er sich von der Schule total abwendet.
  • Überbeanspruchung in der Familie durch übermäßigen Einsatz bei der Mithilfe führt zu einer Art Burnout-Syndrom.
  • Wenn ein Kind nie gelernt hat, sich Herausforderungen zu stellen, an einer Sache längere Zeit zu arbeiten und Frustrationen auszuhalten kann dies zu einer Vermeidungshaltung führen, die sich in einer Leistungsverweigerung äußert.

 

Wie können Eltern Ihrem Kind helfen

Mit der nötigen Unterstützung können auch Teenager, die bereits in der Abwärtsspirale der Leistungsverweigerung gefangen sind, die „Kurve kriegen“. Wichtig ist dabei, dass Eltern oder auch andere nahestehende Personen den Jugendlichen emotional stützen:

  • Ermutigen Sie Ihr Kind, anstatt es mit Vorwürfen zu überhäufen oder es zu bestrafen.
  • Bieten Sie eine sichere und andauernde Betreuung, damit sich der Teenager auf die Schule konzentrieren kann.
  • Sehr hilfreich ist, wenn der Teenager Freunde hat, die in der Schule gut zurechtkommen, das motiviert.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Anwesenheit Ihres Kindes in der Schule.
  • Jugendliche, die eine gute Sprach- und Lesekompetenz haben, zählen seltener zu den schulischen Leistungsverweigerern.

 

Ursachenbeseitigung statt Schuldzuweisung

Wird ein Teenager zum Leistungsverweigerer, wird die Schuld daran oft von einer Stelle zur anderen geschoben. Die Eltern machen die Schule und den Lehrer verantwortlich, der Lehrer schiebt die Schuld auf die Erziehung der Eltern. Die Jugendlichen selbst sind oft unklar darin, was die Leistungsverweigerung ausgelöst hat. Versuchen Sie trotzdem, mit Ihrem Kind darüber zu reden und nehmen Sie seine Meinung und seine Gefühle dazu ernst.

 


Familiäre Probleme

Überdurchschnittlich oft kommen Leistungs- und Schulverweigerer aus Familien mit psychosozialen Problemen. Hier ist die Wurzel oft bereits in der frühkindlichen Entwicklung und Erziehung zu suchen. Weiterhin sind traumatische Situationen wie Tod eines Elternteils, Trennung aber auch Misshandlungen oder Missbrauch verantwortlich dafür, dass Teenager zu Schulverweigerern werden. Hier hilft oft nur ein konsequentes Eingreifen von außen und eine Unterbringung in öffentlichen Programmen, um die Leistungsverweigerung aufzubrechen.


Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind zum Leistungsverweigerer wird, sollten Sie sofort reagieren. Warten Sie nicht ab, wie sich die Situation entwickelt, sondern suchen Sie Hilfe bei der Schule oder bei einer Jugend- oder Familienberatung. Seien Sei dabei selbstkritisch und akzeptieren Sie Ihren eigenen Beitrag an der Leistungsverweigerung Ihres Kindes. Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen, um dem Teenager die Rückkehr in den schulischen Alltag zu ermöglichen.

 

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