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8 August, 2017 - 09:48
 

Vater werden ist nicht schwer – Vorbild sein dagegen sehr

„Bei meinem Kind mache ich das alles anders.“ Schon oft gehört, von vielen behauptet, doch stimmt das wirklich? Macht man in der Erziehung der eigenen Kinder wirklich anders als die eigenen Eltern? Wer eine strenge Kindheit hatte, erlaubt vielleicht dem eigenen Kind zuviel. Wer sein Kind mit Paragraphen und Stoppuhr gängelt, erzieht sich wohlmöglich einen Revoluzzer heran. Alles „anders machen“ heißt nicht alles besser zu machen!

© Hannes Eichinger - Fotolia.com

Wer ein Kind hat, hat eine große Verantwortung. Wenn Ihr Kind morgens zur Schule geht, geben Sie ihm nicht nur ein Schulbrot mit, sondern auch Ihre Erziehung, Ihre elterliche Handschrift, die das Kind in die Welt heraus trägt.

Schon mal eine Folge mit der Frau gesehen, die die wildesten Kinder wieder zu zahmen Lämmchen macht? Wenn nicht, spricht das auch nicht gegen Sie.
Dennoch gibt es eine Sache, die wir dort lernen können: Die Kinder haben keine Schuld an ihrem auffälligen Verhalten, es sind die Eltern, die mit ihren eigenen Verfehlungen die Kinder verunsichern, verärgern und verstören.

Es ist leider wahr, wer Pech mit den Eltern hat, braucht oft viel Glück im Leben. Für Kinder aus zerrütteten Familienverhältnissen ist es oft besonders schwer, im späteren Leben nicht selbst die gleiche Laufbahn wie die Eltern einzuschlagen. Was ein Kind vorgelebt bekommt, lebt es oft auch nach.
Aber es geht auch anders: Kinder aus liebevollen Elternhäusern, mit ausgeglichenen Eltern, die auf eine liberale und freundschaftliche Erziehung setzen, sind meist nette, umgängliche und einfühlsame Menschen. Es geht um gemeinsame Rituale und Respekt, klare Grenzen  aber auch Liberalität.

 

Was übernehme ich aus meinem Elternhaus?

Meine Eltern sagen von sich selbst, auch nicht alles richtig gemacht zu haben. Das möchte ich hier unkommentiert lassen und lediglich sagen, dass ich einiges ebenso, anderes anders machen möchte, jetzt da ich selbst eine Familie habe. Noch ist unser Sohn sehr klein und erlebt seinen Vater nicht so bewusst, als das er mich bereits nachahmen oder als Vorbild nehmen würde. Irgendwann aber kommt die Zeit, da ich beginne, den neuen kleinen Menschen zu formen und zu beeinflussen – bewusst und unbewusst, im Positiven, wie im Negativen.

Aus meinem Elternhaus kenne ich geregelte Tagesabläufe, die uns zum Beispiel gemeinsam an den Esstisch führten. Gemeinsames Essen festigt die familiäre Integrität und ich freue mich jetzt schon drauf, wenn mein Sohn mit uns am Tisch sitzen kann.
Auch wurde ich sehr schnell zur Selbstständigkeit erzogen, hatte bereits früh kleine Jobs und verdiente mir selbst mein Geld – sicher ein Klassiker für viele ehemalige Kinder unter uns. Ich denke, Zeitungen austragen kann keinem Kind schaden und frische Luft auch nicht.
Ebenso wie bei den Freizeitaktivitäten: Kinder lernen so viel in ihren jungen Jahren und sind so aufnahmefähig, wie nie mehr in ihrem Leben. Daher sind Vereinssport und Pfadfinder etwas, dass ich aus meiner Kindheit für meinen Sohn mitnehme. Nicht nur erlangt er dort Fitness und Kenntnisse zum Überleben in der Wildnis, sondern auch soziale Kompetenz. So findet das Kind nicht viel Neues heraus, sondern auch neue Freunde.

 

Was ist mir für mein Kind wichtig?

Auf die soziale Kompetenz habe ich geradezu abgesehen, denn ich selbst bemerke, welch eine Gabe gute Freunde sind. Daher wünsche ich mir für meinen Sohn, dass er ein netter, umgänglicher und einfühlsamer Mensch wird. Das heißt also, ich muss auf eine liberale und freundschaftliche Erziehung setzen? Tja, kann sein, vielleicht geht der Schuss aber auch nach hinten los und ich erziehe meinen Sohn zu einem nimmersatten Partylöwen, der alles zu dürfen meint und mich irgendwann nicht mehr ernst nimmt. Ich darf also auch keiner von diesen überkandidelten Kumpel-Papis sein.

Neben Freunden wünsche ich meinem Kind natürlich eine rosige berufliche Zukunft, auch wieder so ein Klassiker: Was willst Du werden, Kind und wie kann ich, Elternteil, Dich dahin bringen? Auch hier gilt es, einen schmalen Grad zu gehen. Lässt man dem Kind zu viel Zeit zur Selbstfindung, sucht es vielleicht mit Mitte 30 noch. Schickt man es mit drei Jahren zum Chinesisch Kurs, kommt man vielleicht auch wieder zum nimmersatten Party-Löwen, nur über einen anderen Weg.

Außerdem möchte ich, dass er eine nette Frau findet, selbstbewusst ist, Sport treibt, ein Instrument spielt, sich nichts gefallen lässt aber trotzdem ein geduldiger Mensch ist, handwerklich etwas drauf hat, aber auch seine musischen Talente fördert, ich wünsche mir, dass er ein paar Fremdsprachen lernt und die Welt bereisen kann und so weiter und so fort.

 

Was ist für mein Kind selbst wichtig?

Das alles sind fromme Wünsche, die mir für mein Kind wichtig sind. Aber sind sie auch für mein Kind wichtig?

Ich denke, für mein Kind ist wichtig, dass meine Partnerin und ich ein gutes Team sind. Das gibt meinem Kind Sicherheit und vermittelt ihm geordnete Bahnen.
Ich denke, ich werde mein Kind fragen, wie sein Tag war, wenn ich von der Arbeit komme, gemeinsam mit der Familie essen, den Kleinen ins Bett bringen. Das alles lieben Kinder!
Ich will meinen Nachwuchs unterstützen, loben, ihn streicheln und damit seine Persönlichkeit und sein Selbstbewusstsein stärken.
Und vielleicht das Wichtigste: Ich werde meinem Kind viel Liebe geben - dann werde ich sie selbst wiederbekommen!

Auch ich stehe noch am Anfang, mit unserem Kleinen Sohn. Wenn die Zeit kommt, dass ich aktiv als Vorbild fungiere, wird sich zeigen, ob ich mir die richtige Strategie zurechtgelegt habe. Von der verrate ich jetzt nichts weiter, denn es bringt Ihnen nichts, wenn Sie sich alles von einem Papi abgucken, der ganz andere Eltern hatte, als Sie selbst.

Nur eins noch: Die Super Nanny ist viel besser als ihr Ruf…


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de