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Eltern und Fatalismus – man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen

Im Leben mit Kindern passiert regelmäßig Unerwartetes. Fein ausgearbeitete Pläne ändern sich plötzlich oder fallen buchstäblich ins Wasser. Wie sollten Eltern mit solchen Situationen umgehen? Eines ist klar: Wut aufs Kind ist keine Lösung und auch nicht fair.

Im Leben mit Kindern passiert regelmäßig Unerwartetes. Fein ausgearbeitete Pläne ändern sich plötzlich oder fallen buchstäblich ins Wasser. Wie sollten Eltern mit solchen Situationen umgehen? Eines ist klar: Wut aufs Kind ist keine Lösung und auch nicht fair.

Wir hatten uns auf die zweieinhalb Tage als Paar gefreut, wie zwei verknallte Teenager auf das erste Wochenende ohne die Eltern. Ein paar Tage nur für uns – ganz ohne Kinder -  zum ersten Mal seit fast 5 Jahren. Wir hatten alles genau geplant: zwei Übernachtungen in einem Hotel, das nur 90 Minuten Fahrt entfernt war (für alle Fälle), die Großeltern würden zu Besuch kommen, um sich um die Kinder zu kümmern, wir würden unter der Woche fahren, damit die Kinder tagsüber im Kindergarten bzw. der Krippe wären. Obendrein stand unsere Kinderbetreuung zur Unterstützung auch noch bereit. Am Abreisetag würden wir die Kinder morgens noch fertigmachen und in die Einrichtungen bringen, so dass wir de facto nur zwei Abende und Nächte und zweimal beim Frühstück nicht vor Ort sein würden. Wir malten uns zweieinhalb freie Tage aus, in denen wir Langlaufen und anschließend in die Sauna gehen, gut Essen und nachts ungestört schlafen würden. Zeit für uns – und nur für uns, in der wir uns vielleicht auch wieder einmal näher kommen würden. Verlockende Gedanken.

Dann kam der Anruf aus dem Kindergarten:

„Ihre Tochter Lilly hat 39 Grad Fieber und muss abgeholt werden.“

Mit diesen Worten zerplatzte unser schöner Traum von ein paar Tagen zu zweit wie eine Seifenblase.

Kurzfristig die Pläne ändern müssen – Eltern kennen das

Sicher können die meisten Eltern ähnliche Geschichten von Plänen erzählen, die sich in Luft auflösten, weil etwas Unvorhergesehenes dazwischenkam. Häufiger als man denkt kommt es anders als geplant.
Im Leben mit Kindern kommt es immer wieder vor, dass

  • ein Kind zur unpassendsten Zeit krank wird
  • durch eine Phase geht, in der es sehr an seinen Eltern hängt und es Papa und Mama daher mehr braucht als sonst
  • das Kind in der Nacht nicht schlafen konnte
  • ein Kind absolut nicht will, obwohl man das aus gutem Grund angenommen hat
  • ein Kind unerwartet einschläft und dadurch die Pläne für den Tag durcheinanderbringt
  • dem Kind etwas kaputt geht, das einem entweder lieb und teuer ist oder das man gerade bräuchte
  • oder das Wetter die säuberlich ausgearbeiteten Pläne über den Haufen wirft.

All das kann sehr frustrierend sein, passiert Eltern aber irgendwann – da kann man so gut planen, wie man möchte. Normalerweise lernt man als Eltern mit der Zeit, damit umzugehen. „Et kütt wie et kütt“, wie der Kölner sagt: es kommt, wie es kommt. Man sollte sich seiner Sache nie zu sicher sein, solange noch irgendetwas dazwischenkommen könnte. Eine Art Fatalismus also, den Eltern entwickeln – zwangsläufig, um nicht zu oft frustriert zu sein.

Was kann man im Fall der Fälle tun – und wie kann man vorbeugen?

Zuerst etwas, das nicht hilft: auf das Kind sauer sein. Das ist zwar menschlich, aber weder produktiv und obendrein fast immer nicht fair. Kleine Kinder sind noch nicht berechnend genug, dass sie ihren Eltern absichtlich den Tag vermiesen. Auch wenn sie klammern, haben sie ein Bedürfnis nach Nähe zu den Eltern, das man respektieren sollte.

Was hilft, ist eine gewisse Portion Gelassenheit, mit der man die Lage neu bewerten sollte: was ist der nächste Schritt, was kann man noch tun? In unserem Beispiel oben ging das Fieber unserer Tochter über Nacht weg und wir konnten mit etwas Verspätung doch noch fahren. In dem Fall hatten wir großes Glück.

Generell hilft es im Falle von unerwarteten Überraschungen mit Kindern

  • cool zu bleiben, die Ruhe zu bewahren und die Lage neu einzuschätzen
  • sich nicht darauf zu versteifen, dass man etwas tun MUSS
  • eventuell eine Alternative bei der Hand zu haben – einen Plan B für den Fall der Fälle
  • sich zu sagen, dass es Schlimmeres gibt, wenn man die Pläne aufgeben muss. Das gehört einfach zum Leben mit Kindern dazu.

Hin und wieder kann es sich jedoch als richtig erweisen, die Pläne trotz allem durchzuziehen. Auch dazu ein Beispiel: meine Frau und ich wollten meinen Geburtstag zu zweit feiern, aber unsere Große klammerte ganz furchtbar, als wir gehen wollten. So sehr, dass wir letztlich mit den Kindern und der Kinderbetreuung statt in ein schönes Restaurant in eine Pizzeria gingen. Dort schlief unsere große Tochter vor dem Essen am Tisch ein. Sie war schlicht übermüdet – und unser romantisches Date im Eimer.

Was soll man da sagen: „et kütt wie et kütt“ …

Immerhin war die Pizza gut.

 

Ein Tipp zum Schluss: aufgrund immer wieder auftretender Krankheiten bei kleinen Kindern ist der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung meist eine gute Idee. So bleibt man wenigstens nicht auf den Kosten sitzen, wenn sich die Reisepläne gezwungenermaßen ändern.