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Eintritt in Kindergarten oder Schule - Umbruchphasen im Leben von Kindern und deren Bewältigung

In der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gibt es verschiedene Phasen, die einen Umbruch darstellen und die ganze Familie vor besondere Herausforderungen stellen. Wichtig für das Kind und ist eine positive Bewältigung dieser Übergänge im Leben. Lesen Sie hier, welche Veränderungen der Eintritt in den Kindergarten bzw. der Schulanfang für ein Kind und seine Eltern mit sich bringt: welche Probleme sie bereiten und wie Sie in der Familie damit umgehen können.

Umbruchphase 1: Kinderkrippe oder Kindergarten - die erste Betreuungssituation außerhalb der Familie

Ihr Kind ist in den ersten Lebensjahren zu Hause bei Mutter und Vater aufgewachsen und wurde hauptsächlich von diesen vertrauten Personen betreut. Spätestens mit drei Jahren beginnt die Kindergartenzeit, manche Kinder besuchen auch schon früher die Kinderkrippe. Beides stellt die erste Umbruchphase in einem Kinderleben dar. Ihr Kind hat im Zusammensein mit Ihnen Urvertrauen gelernt und dass es sich auf Sie als Bezugsperson verlassen kann. Sie erfüllen seine Bedürfnisse nach Nähe und emotionaler Zuwendung, es weiß: Mama und Papa sind für mich da und lassen mich nicht im Stich. Wenn ich Hunger habe, so bekomme ich zu essen. Wenn ich mich einsam fühle, so werde ich in den Arm genommen. Wenn ich traurig bin und weine, so werde ich liebevoll getröstet. Für Ihr Kind ist es ein großer Schritt, wenn es aus der häuslichen Betreuungssituation zum ersten Mal in einen Kindergarten gebracht und fremden Menschen überlassen wird, denn es muss erst lernen, dass es diesen auch vertrauen kann. Eigentlich ist dies ein ganz natürlicher Vorgang im Leben des Kindes, der in dieser Phase jedoch oft mit Schwierigkeiten verbunden ist:

  • Das eigentlich schon recht selbstständige Kind beginnt plötzlich wieder zu „klammern“ und sucht verstärkt Ihre Nähe
  • Das Kind entwickelt Ängste, besonders vor dem Alleinsein oder in der Dunkelheit
  • Ihr Kind möchte Abends nicht ins Bett gehen
  • Der Nachwuchs klagt öfters über Bauchschmerzen, für die ein Arzt keine körperliche Ursache finden kann

Gerade in dieser ersten Umbruchphase eines Kinderlebens ist es sehr wichtig, wie Sie als Eltern damit umgehen. Besonders wichtig ist es nun geduldig, zu sein und Ihrem Kind bei der Bewältigung seiner Ängste zu helfen. Folgende Dinge können Sie tun:

  • Lassen Sie gerade jetzt viel Nähe zu, seien sie immer für Ihr Kind da. Das gibt ihm Sicherheit und Selbstvertrauen
  • Setzen Sie zu Hause auf feste Rituale. Nehmen sie Ihrem Kind die Angst vor der Dunkelheit, vor dem abendlichen Einschlafen und somit vor dem nächsten Tag. Einschlafrituale wie Gute-Nacht-Geschichten, ein kleines Nachtlicht oder ein Stofftier helfen dabei.
  • Wenn Sie Ihr Kind in den Kindergarten bringen, sollten Sie es unbedingt zu einer immer festen Zeit abholen. Ihr Kind lernt, dass es sich auf Sie verlassen kann und Sie es immer wieder nach Hause holen, auch wenn es Sie für ein paar Stunden nun nicht um sich hat.

 

Umbruchphase 2: Die Einschulung

Ihr Kind hatte sich an den Kindergarten gewöhnt, dort vieles spielerisch gelernt und ist wahrscheinlich nach den normalen und oben geschilderten Anfangsschwierigkeiten gerne dort hingegangen. Es hat die ersten sozialen Kontakte außerhalb der Familie geknüpft und Freundschaften geschlossen. Nun wird es aus dem Kindergarten entlassen und der „Ernst des Lebens“ und die Zeit der Leistung beginnt. Die meisten Kinder freuen sich auf die Schule und sind zu Anfang euphorisch gestimmt, auch wenn sie eigentlich nicht genau wissen, was auf sie zukommt. So kann es passieren, dass sich Ihr Kind nach den ersten Tagen und Wochen in der Schule überfordert fühlt: fremde Kinder, unbekannte Räume, neues Personal und der Unterrichtsstoff. Für das Kind  können sich daraus folgende Probleme ergeben, auch gesundheitlich:

  • Das Kind zieht sich in sich zurück, wirkt nicht mehr so fröhlich und befreit
  • Sie bemerken, dass Ihr Kind nervös und gereizt ist
  • Ihr Kind klagt über Kopfschmerzen
  • Ihr Kind möchte morgens nichts mehr essen, hat Bauchschmerzen und/oder Durchfall
  • Verhaltensauffälligkeiten machen sich bemerkbar, wie zum Beispiel Stottern oder Nägelkauen
  • Das Kind schläft nicht mehr gut und hat Alpträume
  • Ihr Kind beginnt wieder, sich einzunässen

Als Eltern sollten Sie Ihr Kind nun genauestens beobachten und mit ihm äußerst feinfühlig umgehen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, zeigen Sie Verständnis und versuchen Sie, ihm die Angst vor dieser neuen Situation zu nehmen. Sind die Probleme zu Hause stark ausgeprägt, so sollten Sie auf jeden Fall ein Gespräch mit der jeweiligen Lehrkraft führen und auch einen Kinderarzt aufsuchen. Ihrem Kind gegenüber sollten Sie sich folgendermaßen verhalten:

  • Dem Kind zuhören, es ernst nehmen und Verständnis zeigen
  • Dem Kind helfen Lösungen zu finden und ihm signalisieren, dass Sie ihm viel zutrauen
  • Liebevoll und geduldig sein und dem Kind dabei helfen ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen
  • Keinen zusätzlichen Druck aufbauen durch Leistungsansprüche
  • Die Ängste des Kindes nicht herunterspielen und zusätzliche Hilfen suchen, z.B. Kinderpsychologe

Viele Kinder meistern diese Umbruchphase im Leben mit Hilfe von geduldigen und verständnisvollen Eltern und Lehrern sehr gut. Wichtig hier ist genaues Beobachten und eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Bei ersten kleinen Schwierigkeiten gilt es, sofort zu reagieren, damit sich anfängliche und kleinere Probleme nicht zu einer problematischen Schulangst entwickeln.

Weitere Umbruchphasen im Leben von Kindern und Jugendlichen sind die Zeit der Pubertät und der Übergang von Schule in die Ausbildung und das Berufsleben.