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Das jüngste Kind der Familie und seine speziellen Herausforderungen – worauf Eltern bei Nesthäkchen achten sollten

Das jüngste Kind nimmt im Familiensystem eine Sonderrolle ein – einerseits verhätschelt, muss es andererseits auch häufig warten und teilen. Es hat nie erlebt, alleiniger Prinz oder alleinige Prinzessin zu sein. Auf die jüngsten Kinder, die Nesthäkchen, warten in einer Familie ganz besondere Herausforderungen.

Als manipulativ, sozial, offen und als großartige Verkäufer beschreibt der Psychologe Kevin Leman, Autor von mehreren Büchern, das jüngste Kind. Diese späteren Eigenschaften sind Resultate aus den besonderen Herausforderungen, die auf das Nesthäkchen in einer Familie warten. Als Kleinstes unter vielen sind jüngste Geschwister oft auf sich selber gestellt, haben aber auch gute Vorbilder in Form der älteren Geschwister.


Die Ausgangsposition des Nesthäkchens

Das jüngste Geschwisterkind in einer Familie ist oft mit ambivalenten Herausforderungen konfrontiert. Zum einen wird es von Eltern und Geschwistern verwöhnt und verhätschelt, auf der anderen Seite muss es oft warten und von Anfang an alles teilen. Die Eifersucht der Geschwister macht ihm oft schwer zu schaffen, es wird gehänselt und vielfach wie ein Spielzeug behandelt – und manchmal ist es ihnen einfach nur lästig. Innerhalb der Familie entwickeln die Kleinsten deshalb ihre ganz eigenen Strategien, die seine Entwicklung beeinflussen. Oft und gern spielt es den Clown oder ist besonders rebellisch und erreicht dadurch Anerkennung und Aufmerksamkeit, einige der Jüngsten bleiben passiv und wollen nicht stören.


Teilen gehört zum Leben

Anders als Erstgeborene haben jüngste Geschwister nie das Privileg, etwas ganz und gar für sich allein zu haben. Das gilt für Spielzeug ebenso wie für die Aufmerksamkeit der Eltern. Teilen gehört für sie von Anfang an dazu – ob sie wollen oder nicht. Denn als schwächstes Glied in einer Geschwisterkonstellation können sich die Kleinsten häufig nicht durchsetzen. Neues erhalten viele Nesthäkchen oft selten. Sie tragen die Kleidung der Älteren auf und spielen mit gebrauchtem Spielzeug. Wird das Kind älter, empfindet es dies oft als ungerecht, vor allem, wenn es beobachtet, dass das älteste Kind vieles ganz neu und unbenutzt erhält.


Warten von Anfang an

Gerade dann, wenn der Altersabstand zwischen den Geschwistern gering ist, müssen die Jüngsten oft warten. Wird das Erstgeborene noch bei jedem kleinen Quietscher mit Aufmerksamkeit bedacht, so kann es dem jüngsten Kind durchaus passieren, dass es seine Wünsche und Forderungen mit lautstarkem Geschrei durchsetzen muss. Gleichzeitig hat es aber deutlich mehr Freiheiten als die Älteren im gleichen Alter, steht es doch längst nicht so unter Beobachtung der Eltern.


Fünfe gerade sein lassen

Beim letzten Kind haben Eltern bereits jede Menge Erfahrung mit der Kindererziehung und sehen viele Dinge lockerer. Das Kleinste wächst deshalb freier und mit weniger Regeln und manchmal auch mit einem weiter gesteckten Rahmen auf. Als Orientierung dienen ihm nicht nur die Eltern, sondern auch die älteren Geschwister.


Überforderung ist vorprogrammiert

Es gibt kaum ein jüngstes Kind, das nicht hin und wieder mal überfordert ist, sei es durch Spielzeug, für das es eigentlich noch viel zu klein ist oder durch Fernsehsendungen, die Eltern ihre älteren Geschwister damals niemals hätten sehen lassen. Als Schutz davor wählen sie häufig ein „sich raushalten“. Sie bleiben passiver und schalten auch einfach mal ab, wenn der Trubel um sie herum zu groß wird.


Geschwisterneid

So sehr die älteren Kinder das Kleinste auch lieben mögen, Eifersucht bleibt nicht aus, wenn sie den anderen Umgang der Eltern mit dem jüngsten Kind sehen. Denn auch wenn es häufig warten muss – Säuglinge haben Bedürfnisse, die sich kaum aufschieben lassen. Verstärkend auf die Eifersucht kann auch die Aufmerksamkeit wirken, die Eltern, Freunde und Verwandte dem Jüngsten schenken. Und später muss es dies dann durch Hänseleien und Streiche büßen.


Darauf sollten Eltern achten

Das richtige Maß zwischen Zuwendung und Eigenständigkeit müssen Eltern auch beim jüngsten Kind finden. Es sollte weder übermäßig verhätschelt, noch allzu sehr sich selbst überlassen werden. Wichtig ist außerdem, dass die Jüngsten nicht einfach so mitlaufen. Auch sie wollen für besondere Leistungen gelobt werden und ihre eigene Zeit mit den Eltern und deren ungeteilter Aufmerksamkeit haben.

 

Auch die ältesten Kinder einer Familie haben ganz eigene Herausforderungen. Mehr dazu lesen Sie hier.